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Flammenmeer in Le Rove: 100 Hektar Wald zerstört, 150 Menschen evakuiert

Ein leises Knistern in der Dunkelheit. Dann plötzlich ein greller Feuerschein, der den Himmel über Le Rove rot färbt. So begann in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Albtraum für viele Bewohner dieser kleinen Gemeinde nahe Marseille. Gegen 3:30 Uhr morgens brach das Feuer in einem schwer zugänglichen, bergigen Gebiet aus. Innerhalb weniger Stunden…

Illustration: Paul Chambers

Ein leises Knistern in der Dunkelheit. Dann plötzlich ein greller Feuerschein, der den Himmel über Le Rove rot färbt. So begann in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Albtraum für viele Bewohner dieser kleinen Gemeinde nahe Marseille.

Gegen 3:30 Uhr morgens brach das Feuer in einem schwer zugänglichen, bergigen Gebiet aus. Innerhalb weniger Stunden fraß es sich durch Buschland und Pinienwälder, bis es schließlich am späten Vormittag „stabilisiert“ wurde – so die Einsatzleitung.

Doch was heißt schon stabilisiert, wenn über 100 Hektar Natur in Flammen aufgehen?

Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen

Es ist ein Bild, das sich immer öfter in Südfrankreich wiederholt. Dieses Mal waren rund 350 Feuerwehrleute und Marins-Pompiers im Einsatz, unterstützt von zwei Canadair-Löschflugzeugen, zwei Helikoptern mit Wasserbehältern sowie Booten der Marins-Pompiers von Marseille.

Verstärkung aus dem Osten Frankreichs, die aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr bereits im Département stationiert war, wurde ebenfalls alarmiert.

Colonel Jean-Luc Beccari, Direktor des Feuerwehr- und Rettungsdienstes SDIS13, schilderte die Lage so: Das Feuer sei zwar eingedämmt, da die meisten Einsatzkräfte an den Brandgrenzen positioniert seien. Doch es gebe immer noch „unzugängliche Brandherde“, die nur durch ein Zusammenspiel von Boden- und Luftkräften gesichert werden könnten.

Evakuierung auf dem Seeweg

Insgesamt mussten rund 150 Menschen ihre Häuser verlassen – viele davon noch in Nachtkleidung, die Blicke starr auf die brennenden Berge gerichtet. Besonders dramatisch: 36 Bewohner mussten per Boot evakuiert und auf den Hafen von La Vesse gebracht werden. Ein Anblick, der Erinnerungen an Filmszenen wachrief, in denen Flucht ins Meer vor lodernden Wänden aus Feuer die letzte Rettung ist.

Die Behörden gaben inzwischen Entwarnung: Noch am Vormittag durften die meisten Betroffenen in ihre Häuser zurückkehren. Verletzt wurde niemand.

Wetterlage als Brandbeschleuniger

Seit dem 27. Juni herrscht im Département Bouches-du-Rhône eine Hitzewarnung der Stufe Orange. Hohe Temperaturen, trockene Luft und teils kräftige Winde aus west-nordwestlicher Richtung – eine Kombination, die jeden Funken sofort in ein Inferno verwandeln kann.

Kein Wunder also, dass die Feuerwehr von „komplizierten Bedingungen“ spricht. Jede Winddrehung drohte, mühsam erkämpfte Brandgrenzen zunichtezumachen.

Und die Saison hat gerade erst begonnen.

Ursache unklar

Was den Brand ausgelöst hat, bleibt bislang ein Rätsel. Ob menschliches Versagen, Fahrlässigkeit oder Blitzschlag – dazu laufen derzeit Ermittlungen. Doch Fakt ist: Jeder Waldbrand hinterlässt eine Narbe, nicht nur in der Landschaft, sondern auch in den Köpfen der Menschen.

Wer durch verkohlte Hänge wandert, wo vor wenigen Stunden noch Zikaden zirpten und Pinien rauschten, versteht, warum viele Einwohner von Rove am Morgen nach dem Brand fassungslos am Hafen standen und ins Leere blickten.

Ein Dorf zwischen Himmel und Hölle

Rove – ein Ort mit knapp 5.200 Einwohnern, eingebettet in das zerklüftete Massif de la Nerthe. Touristen kennen die Gemeinde vor allem wegen der Calanque de Niolon, jener Bilderbuchbucht mit türkisblauem Wasser, die jedes Jahr Tausende Badegäste anzieht.

Jetzt aber liegt über der Côte Bleue der Geruch von verbranntem Holz. Asche rieselte auf Terrassen und Autos. Es war ein Morgen, der zeigte, wie dünn der Faden ist, an dem Leben und Natur in Südeuropa hängen.

Das größte Feuer seit zwei Jahren

In den Bouches-du-Rhône gilt dieser Brand als der bislang schwerste der Saison – und der größte seit 2023, was die verbrannte Fläche betrifft. Die rasche und massive Mobilisierung der Rettungskräfte verhinderte Schlimmeres. Niemand wurde verletzt, keine Häuser gingen in Flammen auf.

Aber die Angst bleibt.

Denn die kommenden Wochen versprechen weitere Gluthitze und Windböen. Und die Bewohner von Rove wissen: Jeder neue Funke könnte das gleiche Szenario auslösen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Frage, die bleibt: Werden wir uns an solche Nächte gewöhnen müssen?

Frankreichs Mittelmeerregionen rüsten seit Jahren auf: mit Frühwarnsystemen, Löschflugzeugen und präventiven Evakuierungsplänen. Doch der Klimawandel macht die Sommer immer trockener und heißer – und die Brände immer unberechenbarer.

Am Hafen von La Vesse sagte ein älterer Mann, während er in die Brandzone blickte: „Früher hatten wir hier den Mistral, der uns abkühlte. Jetzt bringt er uns nur noch Feuer.“

Eine bittere Erkenntnis, die in dieser Nacht über der Côte Bleue lag, begleitet von schwerem, beißendem Rauch.

Autor: Daniel Ivers

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