Kultur

Florence Cestac blickt hinter die Türen der Spitzengastronomie

In ihrem neuen Album "Oui, chef!" erzählt Florence Cestac mit bissigem Witz vom Aufstieg eines Kochs und vom rauen Ton in französischen Profiküchen.

Paris – 26.09.2026: Hinter dem Glanz der französischen Spitzengastronomie klappern Messer, Teller und Egos. Florence Cestac widmet diesem Kosmos ihr neues Album "Oui, chef!". Darin erzählt die Zeichnerin von einem Koch, der sich vom Küchenjungen bis an die Spitze eines Restaurants arbeitet und dabei die Sprache der Hierarchie ebenso gründlich lernt wie das Handwerk.

Cestac inszeniert diesen Aufstieg nicht als feierliche Heldengeschichte, sondern als Komödie mit scharfem Rand. Der Titelruf, der in Profiküchen Gehorsam und Tempo verlangt, bekommt bei ihr einen doppelten Klang: Er ist Arbeitsanweisung, Drohung und wiederkehrender Witz zugleich. Aus dem jungen Lehrling wird ein gefeierter Meister, dessen Autorität allmählich in Tyrannei umschlägt. So bleibt selbst das Lachen über die Übertreibungen mit einem gewissen Unbehagen verbunden.

Das 64 Seiten starke Album entstand gemeinsam mit Antoine Quéron, dessen beruflicher Weg den Stoff prägt. Quéron arbeitete sich nach Angaben des Verlags vom Commis, also dem Küchenanfänger, bis zum Restaurantdirektor und Leiter einer Brigade hoch. Als Brigade wird die streng gegliederte Mannschaft einer Profiküche bezeichnet, in der jede Station ihre Aufgabe, ihren Takt und ihre Regeln hat. Auch Quérons Erfahrungen mit leichter Küche fließen in den Band ein.

Diese Nähe zum Alltag am Herd bewahrt "Oui, chef!" vor bloßer Küchenfolklore. Cestac interessiert sich für kleine Demütigungen, hastige Befehle und Eitelkeiten, die hinter makellos angerichteten Speisen verschwinden. Ihre Figuren dürfen übertreiben, stolpern und toben. In den zugespitzten Szenen steckt jedoch eine ernste Beobachtung über ein Gewerbe, dessen Prestige lange mit einer Kultur des Gehorsams und Aushaltens verbunden war. Der Weg nach oben erscheint deshalb zugleich als Schule der Disziplin und als Weitergabe fragwürdiger Umgangsformen.

Cestac beherrscht die liebevolle Überzeichnung seit Jahrzehnten. Im Jahr 2000 erhielt sie den Grand Prix von Angoulême, die bedeutendste Auszeichnung des französischen Comicfestivals. Ihr elastischer, bewegter Strich und die Fülle komischer Details eignen sich besonders für Räume, in denen niemand stillsteht. Die Küche wird zur Bühne: Pfannen dienen als Requisiten, Kochmützen als Rangabzeichen, und ein misslungener Service gerät zur Groteske. Zugleich macht die Zeichnerin die Enge dieses Arbeitsplatzes spürbar, an dem Ehrgeiz, körperliche Anstrengung und Abhängigkeit dicht beieinanderliegen.

Dargaud veröffentlichte "Oui, chef!" am 28. August 2026. Das Album verbindet Berufserzählung, kulinarische Anekdoten und praktische Hinweise aus der Küche. Sein stärkster Einfall ist die Weigerung, den großen Chef als unantastbares Genie zu behandeln. Cestac würzt den Mythos der Spitzengastronomie mit Pfeffer und mit jener Zuneigung zu menschlichen Schwächen, die ihre Comics seit Jahrzehnten trägt.

Quellen

  • Franceinfo Kultur
  • Dargaud
  • Fnac

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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