Der neue Premierminister François Bayrou tritt sein Amt in einer denkbar ungünstigen Lage an: Laut einer aktuellen Umfrage von Ifop und dem Journal du Dimanche zeigt sich die französische Öffentlichkeit äußerst skeptisch. Nur 34 % der Befragten gaben an, mit Bayrous Ernennung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Dagegen stehen ganze 66 %, die ihre Unzufriedenheit deutlich machten. Ein Start, der seinesgleichen sucht – leider im negativen Sinne.
Ein historisch schlechter Start
Seit 1959 erhebt das Institut Ifop regelmäßig Umfragen zur Popularität neu ernannter Premierminister. François Bayrous Umfragewerte markieren dabei einen Tiefpunkt: Kein Regierungschef der Fünften Republik war je so unbeliebt zu Beginn seiner Amtszeit. Zum Vergleich: Michel Barnier startete im September 2024 mit 55 % Unzufriedenheit, Gabriel Attal im Januar desselben Jahres mit 46 %, und Élisabeth Borne musste sich im Mai 2022 einer Unzufriedenheitsquote von 43 % stellen. Bayrou übertrifft sie alle – allerdings nicht im positiven Sinne.
Warum diese Ablehnung?
Der hohe Anteil an Unzufriedenen spiegelt die allgemeine politische Stimmung in Frankreich wider. Die Bevölkerung scheint nicht nur mit François Bayrou, sondern mit der politischen Gesamtlage unzufrieden zu sein. Seine Ernennung wurde von vielen als ein weiterer Schritt in eine als stagnierend empfundene Politik wahrgenommen. Gleichzeitig stehen viele Franzosen Bayrous bisherigen Leistungen kritisch gegenüber. Insbesondere seine enge Verbindung zu Emmanuel Macron könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden, da dieser ebenfalls um Vertrauen kämpft.
Macron profitiert leicht
Interessanterweise zeigt dieselbe Umfrage, dass Präsident Emmanuel Macron einen kleinen Popularitätsschub erfahren hat. Seine Zustimmungswerte stiegen um zwei Punkte auf 24 %, während 76 % weiterhin unzufrieden sind. Laut Frédéric Dabi, Direktor von Ifop, tragen die jüngsten internationalen Ereignisse wie das Treffen zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj in Paris sowie die Wiedereröffnung von Notre-Dame zu dieser leichten Erholung bei. „Macron gelingt es, die Präsidentschaft als Funktion von den allgemeinen politischen Querelen etwas abzuheben“, so Dabi.
Eine schwierige Ausgangslage
Für François Bayrou könnte dieser Start kaum schwieriger sein. Die Erwartungen sind niedrig, der Rückhalt gering, und die Herausforderungen – sowohl innenpolitisch als auch international – enorm. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, wie schnell er konkrete Ergebnisse liefern und die Bevölkerung von seinem Kurs überzeugen kann. Denn eines steht fest: Nur mit Symbolen oder politischen Gesten wird er das Vertrauen der Menschen nicht zurückgewinnen. Die kommenden Wochen könnten entscheidend sein, ob sich dieser historische Fehlstart noch in einen Erfolg umwandeln lässt oder ob Bayrou weiterhin auf verlorenem Posten steht.