Rouen – 24.09.2026: Der frühere französische Präsident François Hollande hat von körperlicher Gewalt während seiner Schulzeit an der katholischen Einrichtung Jean-Baptiste-de-La-Salle in Rouen berichtet. Es habe dort zu seiner Zeit körperliche Übergriffe geben können, sagte Hollande am Donnerstag. Er selbst habe einige Ohrfeigen bekommen, sei davon nach eigener Einschätzung jedoch nicht traumatisiert worden.
Hollande beschrieb seine Erlebnisse als Teil einer Epoche, in der solche Strafen gesellschaftlich geduldet worden seien. Seine Erinnerung bezieht sich auf körperliche Züchtigungen und ist von den Vorwürfen sexueller Gewalt zu unterscheiden, die ehemalige Schülerinnen und Schüler gegen mehrere Einrichtungen des lasallianischen Schulnetzes erheben. Zugleich begrüßte der frühere Präsident, dass Betroffene heute eher über erlittene Gewalt sprechen können.
Die Äußerung fällt in eine Zeit wachsender Aufmerksamkeit für Berichte aus dem Internat und den Schulen von Jean-Baptiste-de-La-Salle in Rouen. Seit Jahresbeginn gehört die Einrichtung zu den häufig genannten Orten in den Mitteilungen eines Opferkollektivs, das Aussagen ehemaliger Schüler aus dem lasallianischen Netzwerk sammelt. Die Schilderungen betreffen verschiedene Jahrzehnte und reichen nach Angaben der Vereinigung von körperlicher und psychischer Gewalt bis zu sexuellen Übergriffen.
Der Verband der Brüder der christlichen Schulen erklärte bereits im Februar, seit 2014 bestehe eine interne Anlaufstelle für Betroffene. Bis dahin seien dort 78 Meldungen eingegangen. Sechs davon hätten seit Anfang Februar Vorwürfe mit Bezug zu Rouen betroffen. Die Angaben des Verbands und jene des Opferkollektivs beruhen auf unterschiedlichen Erhebungen. Ihre Zahlen lassen sich daher nicht unmittelbar miteinander vergleichen und erlauben für sich genommen keine abschließende Bewertung des Ausmaßes.
Die Debatte über frühere Gewalt an katholischen Schulen hat in Frankreich seit der Affäre um Notre-Dame-de-Bétharram erheblich an Intensität gewonnen. Aussagen ehemaliger Schülerinnen und Schüler haben dort eine breitere Auseinandersetzung mit Erziehungsmethoden, Aufsicht und institutioneller Verantwortung ausgelöst. Im Juni legte zudem eine Untersuchungskommission der französischen Nationalversammlung einen Bericht zur staatlichen Kontrolle und zur Verhinderung von Gewalt an Schulen vor.
Hollande erhebt keinen Vorwurf gegen eine namentlich genannte Person. Seine Schilderung macht vielmehr sichtbar, wie lange körperliche Strafen als gewöhnlicher Bestandteil schulischer Disziplin behandelt wurden. Für die Aufarbeitung sind deshalb klare Unterscheidungen nötig: zwischen persönlich bezeugten Erlebnissen und weiteren Anschuldigungen, zwischen verschiedenen Formen von Gewalt sowie zwischen internen Meldungen und unabhängig geprüften Fällen. Der frühere Präsident ordnete seine Ohrfeigen ausdrücklich der damaligen Zeit zu, begrüßte aber, dass das Schweigen über Gewalt an Schulen heute gebrochen wird.
Quellen
- franceinfo
- Collectif des victimes des Lasalliens
- Frères des écoles chrétiennes
- Französische Nationalversammlung
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).