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Frankreich finanziert künftig Rollstühle vollständig – Macron spricht von „großer Gerechtigkeit“

Ab dem 1. Dezember 2025 übernimmt die französische Krankenversicherung die vollen Kosten für Rollstühle – ein Schritt, der laut Präsident Emmanuel Macron „eine enorme Ungerechtigkeit“ beseitigt. Die Maßnahme betrifft sowohl Standardmodelle als auch Spezialanfertigungen und markiert einen weiteren Meilenstein in Frankreichs Gesundheitspolitik. Ein Versprechen an Menschen mit Behinderung Emmanuel Macron verkündete die neue Regelung am…

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Ab dem 1. Dezember 2025 übernimmt die französische Krankenversicherung die vollen Kosten für Rollstühle – ein Schritt, der laut Präsident Emmanuel Macron „eine enorme Ungerechtigkeit“ beseitigt. Die Maßnahme betrifft sowohl Standardmodelle als auch Spezialanfertigungen und markiert einen weiteren Meilenstein in Frankreichs Gesundheitspolitik.

Ein Versprechen an Menschen mit Behinderung

Emmanuel Macron verkündete die neue Regelung am Sonntag in einer Videobotschaft auf der Plattform X (vormals Twitter). Darin reagierte er direkt auf Appelle von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die ihn auf die extrem hohen Anschaffungskosten hingewiesen hatten. „Zwischen 5.000 und 30.000 Euro – das ist der Preis eines Rollstuhls heute. Eine Summe, die viele Menschen schlicht überfordert“, erklärte Macron.

https://twitter.com/EmmanuelMacron/status/1995064176646172858

Mit der vollständigen Kostenübernahme solle „eine lange bestehende Ungerechtigkeit“ beseitigt werden. „Das waren Leben, die blockiert wurden“, so der Präsident. Für ihn steht die Maßnahme in einer Linie mit dem bereits eingeführten Programm 100 % santé, das die vollständige Erstattung von Brillen und Hörgeräten vorsieht.

Was konkret gefördert wird

Ab sofort übernimmt die Assurance maladie, also die gesetzliche Krankenversicherung, die kompletten Kosten für alle Rollstuhlmodelle – von Alltagsgeräten bis hin zu Sportrollstühlen. Auch Sonderausstattungen wie vertikalisierende Sitzsysteme, elektrische Antriebe oder individuell anpassbare Elemente fallen unter die Regelung, sofern sie medizinisch begründet sind.

Die Erstattungssätze wurden drastisch erhöht: Ein einfacher Leichtrollstuhl, der bislang mit maximal 600 Euro bezuschusst wurde, wird nun mit bis zu 6.000 Euro übernommen. Für einen elektrischen Stehrollstuhl steigt der Betrag von 5.000 Euro auf bis zu 21.000 Euro. Die Abwicklung erfolgt künftig zentral über ein „guichet unique“ – eine Art digitales Antrags-System bei der Krankenkasse, das Genehmigungen und Abrechnungen vereinfachen soll.

Gesundheitspolitik mit sozialpolitischer Note

Frankreichs Regierung reagiert mit dieser Maßnahme auf die jahrelange Kritik von Betroffenenverbänden. Nach Angaben des Ministeriums für Menschen mit Behinderung sind rund 1,1 Millionen Personen in Frankreich auf einen Rollstuhl angewiesen. Jedes Jahr kommen rund 150.000 neue Patienten hinzu.

Malika Boubekeur von APF France Handicap, einer der größten Behindertenorganisationen des Landes, lobt den Schritt ausdrücklich: Anders als bei 100 % santé, bei dem der Leistungsumfang auf einfache Standardprodukte beschränkt ist, umfasse die neue Regelung „alle Rollstühle in allen Kategorien“, die auf dem Markt erhältlich sind. Es handle sich also nicht um ein „Minimalangebot“, sondern um eine wirkliche Gleichstellung im Zugang zu Mobilität.

Gesellschaftspolitische Dimension eines Gesetzes

Frankreich geht mit diesem Schritt weiter als viele andere europäische Länder, wo Rollstühle oft nur teilweise oder unter engen Voraussetzungen übernommen werden. Die Maßnahme unterstreicht die Ambition der Regierung, nicht nur die Effizienz des Gesundheitssystems zu verbessern, sondern auch soziale Teilhabe aktiv zu fördern.

In Frankreich ist die Frage der Inklusion von Menschen mit Behinderung seit Jahren ein zentrales Thema politischer Debatten. Zwar gibt es gesetzliche Vorgaben für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz, doch in der Praxis bestehen weiterhin große Defizite. Der vollständige Rollstuhlersatz wird daher auch als Symbol gewertet – für ein Umdenken im Umgang mit Behinderung und für mehr individuelle Autonomie.

Macrons Initiative könnte zudem Modellcharakter für andere Bereiche der Sozialpolitik haben: Die Logik der „Restkostenfreiheit“, wie sie mit 100 % santé und nun bei Rollstühlen angewandt wird, könnte auch auf andere medizinische Hilfsmittel ausgeweitet werden – etwa auf orthopädische Prothesen oder Pflegehilfen für den häuslichen Bereich.

Der Schritt ist nicht nur gesundheitspolitisch bedeutsam, sondern besitzt auch gesellschaftliche Sprengkraft. In Zeiten wachsender Ungleichheit setzt die Regierung ein deutliches Zeichen: Menschen mit Behinderung sollen nicht länger als Kostenfaktor, sondern als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft betrachtet werden. Die Botschaft ist klar: Mobilität ist keine Ware – sie ist ein Recht.

Autor: P.T.

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