Paris – 20.08.2026: Hühnerfleisch ist in Frankreich so gefragt wie nie. Doch die heimische Geflügelwirtschaft kann mit dem wachsenden Verbrauch nicht Schritt halten. Mehr als die Hälfte der im Land konsumierten Menge stammt inzwischen aus dem Ausland, berichtet Franceinfo unter Berufung auf Branchendaten. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die Erzeuger, Verarbeiter und Agrarpolitik seit Jahren beschäftigt.
Der staatliche Statistikdienst Agreste hatte den Importanteil bereits für 2023 auf 50,2 Prozent beziffert. Seither ist die französische Produktion zwar gewachsen, doch auch die Nachfrage legte weiter zu. FranceAgriMer verzeichnete für 2025 eine dynamische heimische Erzeugung, zugleich aber steigende Einfuhren und eine ungünstigere Außenhandelsbilanz. Zusätzliche Schlachtmengen genügten demnach nicht, um den Bedarf zu decken.
Der Erfolg des Huhns hat mehrere Gründe. Es ist meist günstiger als Rind- oder Schweinefleisch, gilt als vergleichsweise mager und lässt sich schnell zubereiten. Während der Pro-Kopf-Verzehr anderer Fleischarten tendenziell zurückging, gewann Geflügel hinzu. Besonders stark wächst die Nachfrage nach Teilstücken, marinierten Erzeugnissen und verarbeiteten Produkten. Gerade diese Waren setzen große, kontinuierlich ausgelastete Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetriebe voraus.
Die Lieferanten sitzen fast ausschließlich im europäischen Binnenmarkt. Nach Angaben von FranceAgriMer stammen 94 Prozent der französischen Einfuhren von Hühnerfleisch und entsprechenden Zubereitungen aus EU-Staaten. Polen hat seinen Marktanteil seit 2010 erheblich ausgebaut; auch Belgien und die Niederlande zählen zu den wichtigen Herkunftsländern. Dortige Anbieter verfügen über große Produktionskapazitäten, spezialisierte Verarbeitungsbetriebe und Kostenvorteile in Teilen der Wertschöpfungskette.
Frankreichs Branche kann ihre Kapazitäten nur langsam erweitern. Neue Ställe und Brutplätze, eine verlässliche Futtermittelversorgung sowie zusätzliche Schlachtlinien verlangen hohe Investitionen und behördliche Genehmigungen. Hinzu kommen Anforderungen an Tierwohl, Umweltstandards und Biosicherheit. Für die Betriebe stellt sich deshalb die Frage, ob sich ein Ausbau bei schwankenden Kosten und starkem Preisdruck dauerhaft rechnet.
Die hohe Importquote ist dennoch kein Beleg für einen Niedergang der französischen Geflügelhaltung. Zuletzt stiegen die Schlachtmengen, vor allem bei Hühnern und Enten für den Bratmarkt. Die Expansion bleibt jedoch langsamer als das Wachstum des Verbrauchs. Handel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung benötigen zugleich große Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen.
Damit hängt eine Verringerung der Importabhängigkeit vor allem von langfristig finanzierbaren Produktions- und Verarbeitungskapazitäten ab. Vorerst schließen Lieferungen aus dem EU-Binnenmarkt jene Lücke, die zwischen Frankreichs wachsendem Appetit auf Huhn und der verfügbaren heimischen Erzeugung entstanden ist.
Quellen
- Franceinfo
- FranceAgriMer
- Agreste
- Französisches Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).