Wirtschaft

Frankreich kann sich trotz höherer Zinsen weiter finanzieren

Trotz steigender Renditen hält Banque-de-France-Gouverneur Emmanuel Moulin französische Staatsanleihen für attraktiv. Die aktuelle Finanzierung sei gesichert, die hohen Schulden und Defizite blieben jedoch ein Risiko.

Paris – 15.09.2026: Frankreich kann sich nach Einschätzung des Gouverneurs der Banque de France weiterhin zuverlässig am Kapitalmarkt finanzieren. Emmanuel Moulin sagte am Dienstag bei einem Pressegespräch mit Wirtschafts- und Finanzminister Roland Lescure, es gebe keinen Anlass zur Sorge um die Finanzierung des Staates. Französische Staatsanleihen seien trotz des jüngsten Zinsanstiegs für Anleger attraktiv.

Die Äußerung folgt auf unruhige Handelstage am Anleihemarkt. Steigende Ölpreise und höhere Renditen haben den Zinsaufschlag französischer Papiere gegenüber deutschen Bundesanleihen zuletzt vergrößert. Für den Staat bedeutet dies höhere Kosten bei neuen Krediten und bei der schrittweisen Refinanzierung fälliger Schulden. Die unmittelbare Zahlungsfähigkeit Frankreichs wird dadurch allerdings nicht infrage gestellt.

Moulins Aussage unterscheidet zwischen der Fähigkeit des Staates, sich fortlaufend Geld zu beschaffen, und der langfristigen Tragfähigkeit seiner Finanzpolitik. Frankreich verfügt über einen großen und liquiden Markt für Staatsanleihen, die von der staatlichen Schuldenagentur Agence France Trésor regelmäßig mit unterschiedlichen Laufzeiten ausgegeben werden. Diese Struktur eröffnet dem Land den Zugang zu einem breiten Kreis von Investoren.

Die Risiken bleiben dennoch beträchtlich. Nach Angaben der Banque de France lag die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen am 12. Juni 2026 bei 3,75 Prozent und damit mehr als 40 Basispunkte über dem Stand zu Jahresbeginn. Die Zentralbank verwies zugleich auf das hohe Emissionsvolumen der Staaten des Euroraums im laufenden Jahr. Unter diesen Bedingungen beeinflusst die Glaubwürdigkeit der Haushaltspolitik unmittelbar die Finanzierungskosten.

Der Druck entsteht vor allem durch den hohen Schuldenstand, das Haushaltsdefizit und die politische Unsicherheit. Frankreichs öffentliche Verschuldung entspricht nach den jüngsten verfügbaren Angaben rund 117 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zugleich sank der Anteil französischer Staatsanleihen, der von Versicherern und Pensionsfonds gehalten wird, zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem vierten Quartal 2025 von 16,8 auf 12,9 Prozent. Dadurch gewinnt eine stärker marktorientierte und potenziell kurzfristiger handelnde Anlegergruppe an Gewicht.

Hinzu kommt das europäische Zinsumfeld. Die Europäische Zentralbank erhöht ihre Leitzinsen zum 16. September 2026 um 25 Basispunkte; der Einlagensatz steigt auf 2,50 Prozent. Das verteuert die französische Staatsfinanzierung nicht automatisch im gleichen Umfang, setzt aber den gesamten Anleihemarkt unter Druck.

Moulin hatte bereits am 11. September Vorschläge zur Streichung staatlicher Schulden als rechtswidrig, gefährlich und unnötig zurückgewiesen. Seine jüngste Äußerung ist daher keine Entwarnung für den Haushalt: Frankreich findet weiterhin Käufer für seine Anleihen, muss dafür bei steigenden Renditen aber höhere Zinsen zahlen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Banque de France
  • Agence France Trésor
  • Europäische Zentralbank
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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