Paris – 27.08.2026: Frankreichs Arzneimittelbehörde ANSM will prüfen lassen, ob 73 häufig verwendete Medikamente länger haltbar sind als bislang zugelassen. Die beteiligten Hersteller sollen dafür neue Stabilitätsdaten vorlegen. Bei 47 Präparaten könnte die genehmigte Haltbarkeit anschließend auf mindestens vier Jahre steigen; derzeit beträgt sie nach Angaben der Behörde höchstens drei Jahre.
Für Patientinnen und Patienten ändert sich zunächst nichts. Maßgeblich bleibt das Verfallsdatum auf der jeweiligen Packung. Eine längere Frist kann erst gelten, wenn die ANSM die wissenschaftlichen Daten geprüft und die Zulassungsunterlagen entsprechend geändert hat. Auch die vorgeschriebenen Lagerbedingungen müssen weiterhin eingehalten werden. Sie können entscheidend dafür sein, ob ein Arzneimittel seine Qualität bis zum angegebenen Datum behält.
An dem auf fünf Jahre angelegten Programm beteiligen sich 14 Pharmaunternehmen. Untersucht werden sollen Präparate, die in Frankreich in großen Mengen abgegeben werden. Die Hersteller müssen belegen, dass Wirkstoff, Darreichungsform und Verpackung über einen längeren Zeitraum stabil bleiben. Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit dürfen durch die Verlängerung nicht beeinträchtigt werden.
Die Initiative zielt vor allem auf die beträchtliche Menge ungenutzter Arzneimittel. Nach der im Juni 2026 veröffentlichten PERIMED-Studie wurden 2024 in französischen Apotheken 7.675 Tonnen nicht verwendeter Medikamente gesammelt. An der Untersuchung waren neben der ANSM die Krankenversicherung Assurance Maladie und das Rücknahmesystem Cyclamed beteiligt. Ein erheblicher Teil der abgegebenen Produkte war zum Zeitpunkt der Rückgabe noch nicht abgelaufen.
Als Gründe nennt die Untersuchung unter anderem vorzeitig beendete Behandlungen, zu große Packungen und Haltbarkeitsfristen, die gemessen an der üblichen Verwendung kurz ausfallen. Besonders häufig wurden ungenutzte Präparate für Atemwegserkrankungen, Verdauung und Stoffwechsel, das Nervensystem sowie Herz und Kreislauf zurückgegeben. Eine längere Haltbarkeit kann die Verschwendung daher begrenzen, beseitigt deren Ursachen aber nur teilweise.
Assurance Maladie verweist ergänzend auf präzisere Verschreibungen, bedarfsgerechte Abgabemengen und passendere Packungsgrößen. Damit berührt das Vorhaben auch die wirtschaftliche Seite der Arzneimittelversorgung: Unverbrauchte Präparate verursachen vermeidbare Ausgaben in einem weitgehend solidarisch finanzierten Gesundheitssystem. Zugleich entstehen Aufwendungen für Rücknahme und fachgerechte Entsorgung.
Nicht benötigte Medikamente dürfen auch dann nicht an andere Personen weitergegeben werden, wenn die Packung ungeöffnet und das Verfallsdatum noch nicht erreicht ist. Sie sollen in einer Apotheke abgegeben und über das vorgesehene System entsorgt werden. Für jedes der 73 Präparate bleibt eine positive fachliche Bewertung der ANSM Voraussetzung, bevor eine längere Haltbarkeit in den Produktinformationen und auf neuen Packungen ausgewiesen werden darf.
Quellen
- Franceinfo: Bericht zur ANSM-Initiative
- ANSM und Assurance Maladie: PERIMED-Studie zu ungenutzten Medikamenten
- Assurance Maladie: Pressemitteilung zur PERIMED-Studie
- Egora: Bericht zum ANSM-Programm
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).