Paris – 09.10.2026: Die französische Regierung will kurzfristig 3000 Vertretungslehrer an besonders belastete Gymnasien entsenden. Bildungsminister Edouard Geffray kündigte das Vorhaben am Donnerstagabend an. Die Lehrkräfte sollen vom 9. bis spätestens 13. Oktober jene Schulen erreichen, an denen Unterrichtsausfälle und unbesetzte Stellen besonders gravierend sind.
Nach Angaben Geffrays betrifft die Maßnahme 114 Gymnasien in einer besonders kritischen Lage sowie rund 400 weitere Einrichtungen mit erheblichen Personalengpässen. Mobilisiert werden sollen Lehrkräfte aus dem bestehenden Vertretungspool, die derzeit nicht vor Klassen eingesetzt sind. Zusätzlich will das Ministerium den regionalen Bildungsbehörden Mittel für weitere befristete Beschäftigte bereitstellen. Welche Schulen und Fächer konkret berücksichtigt werden, entscheiden die zuständigen Akademien.
Philippe Baptiste, Minister für Hochschulwesen, Forschung und Raumfahrt, verteidigte die Entscheidung am Freitag gegen den Vorwurf einer bloßen Notreparatur. Die Zuweisung der 3000 Lehrkräfte sei eine gezielte Unterstützung für Gymnasien, in denen sich die Engpässe konzentrierten. Damit reagierte er auf Kritik, die Regierung mobilisiere verfügbare Kräfte erst unter dem Druck der Proteste.
Die Ankündigung folgte auf eine weitere landesweite Mobilisierung von Schülerinnen und Schülern am 8. Oktober. In mehreren Städten kam es zu Blockaden und Demonstrationen vor Gymnasien. Die Schülerorganisationen fordern vor allem verlässlichen Unterricht, mehr Personal und bessere Lernbedingungen. Nach Gesprächen mit Geffray und Baptiste riefen sie dazu auf, die Proteste fortzusetzen.
Die Regierung verbindet den Soforteinsatz mit einer Ausweitung schulinterner Vertretungsstunden. Schulleitungen sollen dafür zusätzliche Stunden freiwilliger Lehrkräfte nutzen können. Dieses Instrument gehört zum sogenannten Lehrer-Pakt, der seit 2023 eine zusätzliche Vergütung für bestimmte Aufgaben und kurzfristige Vertretungen vorsieht. Zu Beginn des Schuljahres 2026 standen dafür jedoch in vielen Einrichtungen weniger Mittel zur Verfügung als zuvor.
Der Konflikt hat seine Ursache in einem länger bestehenden Rekrutierungsproblem des französischen Sekundarschulwesens. Bei Lehramtsprüfungen blieben in den vergangenen Jahren zahlreiche Stellen unbesetzt. Zugleich gelingt es den Bildungsbehörden nicht überall, freie Stellen rasch nachzubesetzen. Wie groß der Mangel ist, unterscheidet sich nach Region und Fach; besonders schwierig ist die Lage in einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen und in Ballungsräumen.
Der Einsatz kann akute Unterrichtsausfälle an ausgewählten Schulen begrenzen, behebt den strukturellen Personalmangel aber nicht. Zudem müssen die verfügbaren Vertretungslehrer fachlich zum Bedarf der einzelnen Gymnasien passen. Die Auswahl der mehr als 500 prioritären Einrichtungen liegt bei den regionalen Bildungsbehörden.
Quellen
- Franceinfo
- TF1 Info
- TV5MONDE
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).