Lens – 07.10.2026: Nach der schweren Verletzung eines 15 Jahre alten Schülers in Lens hat Frankreich den Einsatz von Schockgranaten bei den laufenden Schülerprotesten vorläufig gestoppt. Innenminister Laurent Nuñez gab die Entscheidung am Mittwoch bekannt. Sie gilt, bis die Umstände des Polizeieinsatzes vor dem Lycée Auguste-Béhal geklärt sind.
Der Jugendliche war am Montag, dem 5. Oktober, am Rand einer Protestaktion vor der Schule im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais schwer an der linken Hand verletzt worden. Nach übereinstimmenden Medienberichten musste die Hand amputiert werden. Wie es zu der Verletzung kam, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die französische Polizeiaufsicht IGPN untersucht den Vorfall.
Bereits am Dienstag hatte der Generaldirektor der Nationalpolizei, Louis Laugier, die vorsorgliche Aussetzung des betreffenden Einsatzmittels angeordnet. Nuñez bestätigte die Maßnahme am Mittwoch öffentlich. Sie bezieht sich ausdrücklich auf Polizeieinsätze im Zusammenhang mit der aktuellen Mobilisierung von Schülerinnen und Schülern. Eine allgemeine Abschaffung von Schockgranaten im französischen Polizeidienst ist damit nicht verbunden.
Untersucht wird der Einsatz einer Granate, die von den Behörden als ASSD geführt wird. Medienberichten zufolge handelt es sich um das Modell EF-SON des französischen Herstellers Alsetex. Das Einsatzmittel soll mit einer heftigen Detonation Menschen auf Abstand halten oder Gruppen auseinanderdrängen. Es kann mit einem Werfer verschossen werden. Nach Herstellerangaben erreicht der Knall in zehn Metern Entfernung einen Schallpegel von etwa 160 Dezibel.
Der Innenminister sagte im Rundfunk, es gebe deutliche Anhaltspunkte dafür, dass eine solche Granate die Verletzung verursacht haben könnte. Eine abschließende Feststellung ist das nicht. Die IGPN muss unter anderem rekonstruieren, aus welcher Entfernung das Einsatzmittel abgefeuert wurde, ob es den Schüler unmittelbar traf oder nach dem Abschuss aufgenommen wurde. Ebenso ist zu prüfen, ob die geltenden Vorschriften eingehalten wurden.
Schockgranaten zählen in Frankreich zu den Einsatzmitteln mit mittlerer Zwangswirkung. Ihr Gebrauch bei Demonstrationen ist seit Jahren umstritten, weil Detonation, Druckwirkung und unsachgemäße Handhabung schwere Verletzungen verursachen können. Das Modell EF-SON wird den vorliegenden Berichten zufolge erst seit dem Sommer 2025 von französischen Sicherheitskräften verwendet.
Die vorläufige Aussetzung greift damit einer Bewertung des Einsatzes nicht vor. Ob einzelne Polizisten Vorschriften verletzt haben und welche straf- oder disziplinarrechtlichen Folgen sich daraus ergeben könnten, hängt vom Ergebnis der Ermittlungen ab. Bis die IGPN den Ablauf vom 5. Oktober rekonstruiert hat, bleibt das Einsatzmittel bei Schülerprotesten gesperrt.
Quellen
- Franceinfo
- RTL
- Le Monde
- Le Parisien
- Public Sénat
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).