Grenoble – 23.08.2026: Beim Sommertreffen der französischen Grünen ist der Streit über die Bündnisstrategie für die Präsidentschaftswahl 2027 offen ausgebrochen. Les Écologistes streben weiterhin eine gemeinsame Kandidatur der Linken und der ökologischen Kräfte an. Doch die möglichen Partner verfolgen gegensätzliche Wege: La France insoumise (LFI) verlangt eine Verständigung hinter Jean-Luc Mélenchon, während Teile der Grünen eine engere Verbindung mit dem Parti Socialiste und Place publique bevorzugen.
Marine Tondelier, die nationale Sekretärin der Partei, verteidigte in Grenoble ihre Linie einer möglichst breiten Einigung. Die Grünen sollten ökologische Themen im Präsidentschaftswahlkampf sichtbar machen, einen Sieg des eigenen politischen Lagers ermöglichen und den Einzug des Rassemblement National in den Élysée-Palast verhindern. Diese drei Ziele hatte das politische Büro bereits im Juni als strategischen Rahmen für 2027 festgelegt.
Umstritten ist weniger das Prinzip der Zusammenarbeit als deren personeller und programmatischer Ausgangspunkt. LFI hat den Grünen eine neue Volksallianz angeboten und damit die Erwartung verbunden, Mélenchons Kandidatur zu unterstützen. Der LFI-Abgeordnete Paul Vannier stellte bei der zeitgleich abgehaltenen Sommerveranstaltung seiner Bewegung in Châteauneuf-sur-Isère außerdem ein mögliches Regierungs- und Parlamentsabkommen in Aussicht.
Eine frühzeitige Festlegung auf Mélenchon stößt bei Teilen der Grünen auf Vorbehalte. Die Abgeordnete Sandrine Rousseau wirbt zwar für einen offenen Dialog mit LFI, verweist jedoch auf Differenzen in der Europa-, Außen- und Sicherheitspolitik. Der Abgeordnete Jérémie Iordanoff aus dem Département Isère plädiert dagegen für eine gemeinsame Struktur von Les Écologistes, Parti Socialiste und Place publique. Ihm schwebt ein proeuropäisches, sozial-ökologisches Angebot vor, das sich von Mélenchons Kurs absetzt.
Tondelier versucht, die widerstreitenden Lager zusammenzuhalten. Über mögliche Bündnisse soll nach ihrer Vorstellung in einem parteiinternen demokratischen Verfahren entschieden werden. Die Parteiführung hält damit vorerst Abstand sowohl zu einer raschen Unterstützung Mélenchons als auch zu einer exklusiven Annäherung an die Sozialisten. Cyrielle Chatelain, die Vorsitzende der grünen Fraktion in der Nationalversammlung, sprach sich ebenfalls für eine intern legitimierte Entscheidung aus.
Die Auseinandersetzung ist von den Erfahrungen der vergangenen Jahre geprägt. Bei den Parlamentswahlen 2022 und 2024 hatten Sozialisten, Grüne, LFI und Kommunisten jeweils kurzfristig gemeinsame Wahlabkommen geschlossen. Eine Präsidentschaftswahl folgt jedoch einer anderen Logik: Der stark personalisierte erste Wahlgang erschwert es, programmatische Kompromisse und die Ambitionen mehrerer Bewerber in einer einzigen Kampagne zu vereinen.
Die Grünen verfügen deshalb über einen engen Handlungsspielraum. Ein Bündnis mit LFI könnte eine geschlossene linke Kandidatur erleichtern, aber die Spannungen mit Sozialisten und proeuropäischen Partnern verschärfen. Eine Achse mit dem Parti Socialiste und Place publique ließe wiederum LFI außerhalb des gemeinsamen Projekts. Eine Festlegung traf die Parteiführung in Grenoble nicht.
Quellen
- Franceinfo
- Les Écologistes: Mitteilung des politischen Büros
- Les Écologistes: Programm des Sommertreffens
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).