Frankreich

Frankreichs Schulden steigen auf 121,7 Prozent des BIP – der Spielraum in Paris schrumpft

Frankreich steuert auf einen neuen Höchststand seiner Staatsverschuldung zu. Nach den jüngsten Regierungsprojektionen dürfte die öffentliche Verschuldung 2027 auf 121,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts steigen. Bereits 2026 werden 119,3 Prozent erwartet. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der EU kämpft damit nicht nur mit einem hohen Schuldenstand, sondern vor allem mit dessen Dynamik: anhaltend grosse Defizite, schwaches Wachstum, steigende…

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Frankreich steuert auf einen neuen Höchststand seiner Staatsverschuldung zu. Nach den jüngsten Regierungsprojektionen dürfte die öffentliche Verschuldung 2027 auf 121,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts steigen. Bereits 2026 werden 119,3 Prozent erwartet.

Die zweitgrösste Volkswirtschaft der EU kämpft damit nicht nur mit einem hohen Schuldenstand, sondern vor allem mit dessen Dynamik: anhaltend grosse Defizite, schwaches Wachstum, steigende Zinskosten und politisch schwer veränderbare Staatsausgaben treiben die Quote weiter nach oben.

Das Defizit bleibt deutlich zu hoch

Für 2026 erwartet die Regierung ein Haushaltsdefizit von 5,4 Prozent des BIP, 2027 sollen es noch 5 Prozent sein. Damit bleibt Frankreich klar über dem europäischen Referenzwert von 3 Prozent.

Paris befindet sich deshalb weiterhin im EU-Verfahren wegen eines übermässigen Defizits. Ziel ist es, die Neuverschuldung bis 2029 wieder unter Kontrolle zu bringen.

Das Problem: Solange Frankreich Jahr für Jahr hohe Defizite schreibt und die Wirtschaft nur schwach wächst, steigt die Schuldenquote weiter.

Schwaches Wachstum erschwert die Sanierung

Die Banque de France erwartet für 2026 lediglich 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum. Für 2027 wird mit einer moderaten Erholung gerechnet.

Für den Staatshaushalt ist das problematisch. Geringes Wachstum bedeutet schwächere Steuereinnahmen, während viele Ausgaben kaum kurzfristig gesenkt werden können.

Zugleich droht ein klassisches Dilemma: Harte Sparmassnahmen könnten die Konjunktur zusätzlich bremsen und damit einen Teil der erhofften Haushaltseffekte wieder zunichtemachen.

Zinskosten werden zum Problem

Während der Niedrigzinsjahre konnte Frankreich hohe Schulden relativ günstig finanzieren. Diese Phase ist vorbei.

Für 2026 wird die staatliche Zinslast auf rund 65 Milliarden Euro geschätzt. In den kommenden Jahren dürfte sie weiter steigen, weil alte, günstige Anleihen durch neue Kredite zu höheren Zinssätzen ersetzt werden.

Die OECD erwartet für 2027 Nettozinsausgaben von etwa 2,6 Prozent des BIP. Damit bindet der Schuldendienst zunehmend Mittel, die an anderer Stelle fehlen.

Frankreich gibt mehr aus als fast alle anderen

Frankreich gehört seit Jahren zu den Ländern mit der höchsten Staatsquote Europas. Die öffentlichen Ausgaben lagen 2025 bei rund 57 Prozent des BIP.

Besonders gross sind die Ausgaben für Renten, Gesundheit und soziale Sicherung. Gleichzeitig steigen die Kosten für Verteidigung und Schuldendienst.

Damit wird die politische Verteilung schwieriger: Mehr Geld für Sicherheit und Zinsen bedeutet zwangsläufig weniger Spielraum für andere Aufgaben – oder neue Schulden.

54 Milliarden Euro Konsolidierung – aber nicht nur Kürzungen

Für den Haushalt 2027 plant die Regierung Massnahmen im Umfang von rund 54 Milliarden Euro.

Diese Summe entspricht allerdings nicht vollständig neuen Einsparungen. Ein grosser Teil wird benötigt, um automatisch steigende Ausgaben etwa für Renten, Gesundheit und Zinsen abzufangen.

Diskutiert werden unter anderem Ausgabendeckel, Kürzungen in Ministerien, Beiträge der Gebietskörperschaften und Einschnitte bei Sozialausgaben. Politisch sind solche Massnahmen hoch umstritten.

Frankreich nähert sich der europäischen Schuldenspitze

Mit einer Schuldenquote von 121,7 Prozent würde Frankreich zu den am höchsten verschuldeten Ländern des Euroraums gehören.

Italien und Griechenland liegen zwar weiterhin höher. Doch der entscheidende Unterschied ist die Entwicklung: Während Griechenlands Schuldenquote seit Jahren sinkt, steigt die französische weiter.

Für Investoren zählt deshalb nicht nur die Höhe der Schulden, sondern vor allem die Frage, ob ein Land einen glaubwürdigen Weg zur Stabilisierung vorweisen kann.

Der Haushalt wird zum politischen Stresstest

Die Konsolidierung fällt in eine politisch schwierige Phase. In der Nationalversammlung gibt es keine stabile Regierungsmehrheit, zugleich rückt die Präsidentschaftswahl 2027 näher.

Damit prallen zwei Logiken aufeinander: Finanzmärkte und europäische Institutionen verlangen glaubwürdige Haushaltsdisziplin, während Parteien vor einer Wahl wenig Interesse an unpopulären Kürzungen haben.

Die französische Schuldenfrage ist deshalb mehr als ein finanzpolitisches Problem. Sie wird zunehmend zu einer Frage staatlicher Handlungsfähigkeit. Je länger Reformen verschoben werden, desto stärker bestimmen Zinsen, Sozialausgaben und bereits eingegangene Verpflichtungen den Haushalt.

P.T.

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