Paris – 19.09.2026: Frankreichs öffentliche Schuldenquote soll 2027 nach Berechnungen des Finanzministeriums auf 121,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Damit würde sie einen neuen Höchststand erreichen. Das Ministerium führt den Anstieg vor allem auf den weiterhin hohen staatlichen Fehlbetrag zurück. Die Regierung hat ihre Annahmen zu Wachstum und Inflation im September aktualisiert und bereitet den Haushaltsentwurf für 2027 vor.
Die neue Prognose weicht deutlich von früheren Planungen ab, die eine allmähliche Stabilisierung der Schuldenquote vorsahen. Nach Angaben des Ministeriums dürfte die französische Wirtschaft 2026 lediglich um 0,5 Prozent wachsen, für 2027 werden 1,0 Prozent erwartet. Eine schwache Konjunktur bremst die Steuereinnahmen und lässt die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung schneller steigen.
Bereits am Ende des ersten Quartals 2026 lag die französische Maastricht-Schuldenquote nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik und Wirtschaftsstudien bei 117,5 Prozent. Die öffentlichen Schulden beliefen sich auf 3.536,1 Milliarden Euro, 75,6 Milliarden Euro mehr als im vierten Quartal 2025. Erfasst werden dabei nach europäischer Abgrenzung die Verbindlichkeiten des Staates, der Sozialversicherungen und der Gebietskörperschaften.
Zusätzlichen Druck erzeugt das laufende Defizit. Das Finanzministerium räumte am 17. September ein, dass der Fehlbetrag 2026 voraussichtlich 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen werde. Das bisherige Ziel von 5,0 Prozent wäre damit verfehlt. Für 2027 hält die Regierung an einer Defizitquote von 5,0 Prozent fest, obwohl Finanzierungskosten und mehrere große Ausgabenposten weiter zunehmen.
Zu den Belastungen gehören höhere Zinsen auf die Staatsschuld sowie steigende Ausgaben für Renten, Gesundheit, Verteidigung und Sicherheit. Um das Defizit 2027 auf das angestrebte Niveau zu begrenzen, müsste die Regierung daher Ausgaben kürzen oder zusätzliche Einnahmen erschließen. Solche Entscheidungen sind politisch heikel, weil sie Leistungen, Steuern oder Investitionen berühren können. Der Haushaltsentwurf soll bis zum 1. Oktober 2026 dem Parlament vorliegen.
Die Schuldenquote setzt die gesamte öffentliche Verschuldung ins Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung. Steigt sie trotz eines wachsenden Bruttoinlandsprodukts, nehmen neue Kredite und laufende Defizite schneller zu als die Wirtschaft. Das erhöht langfristig den Anteil der Einnahmen, der für den Schuldendienst benötigt wird, und engt den finanziellen Spielraum des Staates ein.
Frankreich steht zugleich unter dem Druck der europäischen Haushaltsregeln. Das Land hat zugesagt, sein öffentliches Defizit bis 2029 wieder unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Nach der neuen Prognose beginnt dieser Konsolidierungspfad von einer höheren Schuldenquote und einem größeren Fehlbetrag als bislang vorgesehen.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Wirtschafts- und Finanzministerium
- Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).