Paris – 12.10.2026: Lange Schultage stehen im Zentrum der aktuellen Proteste französischer Gymnasiasten. Nach ersten Ergebnissen einer staatlichen Online-Konsultation betreffen 71 Prozent der eingereichten Anliegen die Stundenpläne. Die Jugendlichen beklagen vor allem lange Tage, ungleich verteilte Unterrichtsstunden und zu wenige Pausen. Damit ist die Organisation des Schulalltags zu einer politischen Frage geworden, die über die Blockaden einzelner Schulen hinausreicht.
Das Bildungsministerium hat die Befragung auf der Plattform Agora vom 5. bis 23. Oktober geöffnet. Sie ergänzt Gespräche mit Schülervertretungen, Schulleitungen und regionalen Bildungsbehörden. Die Regierung reagiert damit auf Proteste, bei denen es neben den Stundenplänen um ausgefallenen Unterricht, den baulichen Zustand mancher Schulen und den Leistungsdruck im Zusammenhang mit dem Hochschulzulassungssystem Parcoursup geht.
Ein verlässlicher internationaler Vergleich ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erfasst die gesetzlich vorgeschriebene Unterrichtszeit vor allem für die Grundschule und die Sekundarstufe I. Am französischen Lycée unterscheiden sich die Wochenstunden je nach Jahrgang, allgemeinem oder beruflichem Bildungsweg und gewählten Schwerpunktfächern. Daraus lässt sich kein einheitlicher Vergleich sämtlicher französischer Gymnasiasten mit Gleichaltrigen in Europa ableiten.
In der Sekundarstufe I kamen Schülerinnen und Schüler in Frankreich nach OECD-Angaben von 2025 auf 973 Pflichtunterrichtsstunden im Jahr. Der Durchschnitt der OECD-Staaten lag bei 909 Stunden. Frankreich liegt damit über dem Mittelwert. Hinzu kommt, dass der Unterricht auf vergleichsweise wenige Schultage verteilt ist. Das kann die Anwesenheitszeit an einzelnen Tagen verlängern, auch wenn die jährliche Stundenzahl allein darüber wenig aussagt.
Ein europäischer Extremfall ist Frankreich dennoch nicht. Die Statistikabteilung des Bildungsministeriums bezifferte die durchschnittliche jährliche Unterrichtszeit in der Sekundarstufe I für das Schuljahr 2022/2023 auf 968 Stunden. Deutschland kam demnach auf 896, Spanien auf 1.057 Stunden. Auch die Verteilung unterscheidet sich: In einigen Ländern haben Schulen mehr Spielraum, Unterricht über die Woche und das Schuljahr zu organisieren.
Die Statistik erfasst zudem nicht den gesamten zeitlichen Aufwand der Jugendlichen. Hausaufgaben, Schulwege, Nachhilfe, digitale Aufgaben und Prüfungsvorbereitung bleiben unberücksichtigt. Freistunden können die Anwesenheit zusätzlich verlängern. Ein Schultag vom Morgen bis zum späten Nachmittag lässt sich in Jahreswerten deshalb nur unvollständig erkennen.
Die verfügbaren Daten belegen somit nicht, dass französische Gymnasiasten europaweit am meisten arbeiten. Sie stützen jedoch die Klage über eine hohe und stark verdichtete Unterrichtsbelastung. Bis zum 23. Oktober können die Jugendlichen dem Bildungsministerium mitteilen, welche Veränderungen ihrer Stundenpläne sie für vordringlich halten.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Bildungsministerium
- OECD
- Direction de l'évaluation, de la prospective et de la performance
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).