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Frankreichs Steuerbombe für Immobilieneigentümer – warum die „Taxe foncière“ 2026 für Millionen steigt

Ab 2026 müssen sich Millionen französischer Immobilienbesitzer auf einen spürbaren Anstieg der Grundsteuer („taxe foncière“) einstellen. Hintergrund ist eine umfassende Neuberechnung veralteter Bewertungsgrundlagen – eine längst überfällige Reform mit potenziell explosiver Wirkung für den ohnehin angespannten Wohnimmobilienmarkt. Was sich ändert – und warum Die französische Grundsteuer basiert auf sogenannten „valeurs locatives cadastrales“, einem fiktiven Mietwert,…

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Ab 2026 müssen sich Millionen französischer Immobilienbesitzer auf einen spürbaren Anstieg der Grundsteuer („taxe foncière“) einstellen. Hintergrund ist eine umfassende Neuberechnung veralteter Bewertungsgrundlagen – eine längst überfällige Reform mit potenziell explosiver Wirkung für den ohnehin angespannten Wohnimmobilienmarkt.

Was sich ändert – und warum

Die französische Grundsteuer basiert auf sogenannten „valeurs locatives cadastrales“, einem fiktiven Mietwert, der die Grundlage für die Steuerbemessung bildet. Diese Werte stammen jedoch aus den 1970er-Jahren und spiegeln vielerorts weder Marktrealitäten noch bauliche Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte wider.

2026 will die französische Regierung nun einen großen Schritt in Richtung Aktualisierung gehen. Dabei sollen insbesondere sogenannte éléments de confort – also Ausstattungsmerkmale wie fließendes Wasser, Badezimmer, Heizsysteme oder Klimaanlagen – künftig systematisch bei der Berechnung der steuerlich relevanten Fläche einbezogen werden.

Bislang wurden solche Merkmale nur unvollständig berücksichtigt. Die Annahme: Wer mehr Wohnkomfort hat, verfügt über ein höherwertiges Objekt – und soll entsprechend mehr zahlen.

Wen trifft es – und in welchem Umfang

Betroffen sind nach offiziellen Schätzungen rund 7 Millionen Haushalte, vor allem Eigentümer von Einfamilienhäusern oder größeren Wohnungen, die seit Jahrzehnten nicht mehr neu eingestuft wurden. Im Durchschnitt wird mit einem Anstieg von etwa 63 Euro pro Jahr gerechnet – regional jedoch mit erheblichen Unterschieden. In gefragten Städten wie Lyon, Bordeaux oder Nantes könnten die Effekte deutlich stärker ausfallen.

Insgesamt zahlen derzeit etwa 32 Millionen Franzosen eine taxe foncière – Tendenz steigend, nachdem die „taxe d’habitation“ (die frühere Wohnsteuer) für Hauptwohnsitze weitgehend abgeschafft wurde. Damit bleibt die Grundsteuer eine der letzten nennenswerten kommunalen Einnahmequellen – und gewinnt zugleich an politischer Brisanz.

Rückendeckung aus Verwaltung und Politik – doch Kritik wächst

Die französische Steuerverwaltung betont, dass die Neuberechnung transparent und überprüfbar erfolgen werde. Immobilienbesitzer erhalten über das Online-Portal der Steuerbehörde (impots.gouv.fr) eine Mitteilung, in der sie die neuen Parameter einsehen und gegebenenfalls Einspruch erheben können. Laut dem Immobilienmakler Alban Hennocq besteht die Möglichkeit, der Neuberechnung direkt online zu widersprechen – insbesondere wenn Ausstattungsmerkmale fälschlich zugeordnet wurden.

Doch der öffentliche Unmut wächst: Viele empfinden die Maßnahme als weiteren Belastungsschub in wirtschaftlich angespannten Zeiten. In Interviews äußern sich Bürger enttäuscht: „Warum geht man wieder an den Mittelstand, statt Superreiche oder Steuerbetrüger stärker zu belangen?“ heißt es etwa in einem TV-Beitrag auf dem Sender France 2.

Auch Vertreter der Immobilienwirtschaft warnen vor einem möglichen Abschreckungseffekt für Investitionen im privaten Wohnungsbau – gerade in Zeiten hoher Zinsen und stagnierender Preise.

Strukturelle Probleme des französischen Steuersystems

Die Grundsteuerreform wirft ein Schlaglicht auf ein grundlegendes Dilemma des französischen Steuerstaats: Einerseits besteht ein chronisch hoher Finanzierungsbedarf auf kommunaler Ebene, andererseits ist das Vertrauen in die Fairness der Steuerlastverteilung gering.

Seit der Abschaffung der Wohnsteuer (taxe d’habitation) für Hauptwohnsitze fehlen den Kommunen jährlich mehrere Milliarden Euro. Die Grundsteuer wurde faktisch zur Kompensationsmasse – mit regelmäßig automatischen Erhöhungen der Bemessungsgrundlagen. In Paris beispielsweise stieg die taxe foncière 2023 um 52 % – ein Ausmaß, das viele Eigentümer an die Belastungsgrenze brachte.

Gleichzeitig bleibt Frankreich im europäischen Vergleich ein Land mit vergleichsweise hoher Abgabenquote, jedoch geringer Steuerakzeptanz. Reformen wie die jetzt geplante wirken daher wie ein Brandbeschleuniger für das Misstrauen gegenüber fiskalpolitischen Entscheidungen.

Noch ist unklar, ob die angekündigten Anpassungen der Bewertungssystematik tatsächlich flächendeckend und gerecht umgesetzt werden können. Klar ist jedoch: Die Grundsteuerreform 2026 markiert nicht nur einen technischen, sondern einen politischen Einschnitt – und könnte für Präsident Macron zur Belastungsprobe im letzten Drittel seiner Amtszeit werden. Denn während die Reform ökonomisch argumentierbar ist, droht sie sozialpolitisch Sprengstoff zu liefern – insbesondere in ländlichen Regionen, in denen Immobilienbesitz ein Teil der Altersvorsorge vieler Familien ist.

Autor: P. Tiko