Aleppo – 20.07.2026: Eine französische archäologische Delegation hat das byzantinische Kloster- und Wallfahrtsareal Saint-Siméon im Norden Syriens erstmals seit langer Zeit vor Ort untersucht. Ziel des Besuchs war es, die Schäden systematisch zu dokumentieren und vorrangige Maßnahmen für die Sicherung der Ruinen festzulegen. Das Gelände in der Provinz Aleppo war während des Konflikts über Jahre nur sehr eingeschränkt zugänglich.
Saint-Siméon gehört zu den antiken Dörfern Nordsyriens, die seit 2011 zum UNESCO-Welterbe zählen und zugleich auf der Liste des gefährdeten Welterbes stehen. Der Komplex entstand gegen Ende des 5. Jahrhunderts um die Säule des Mönchs Symeon Stylites. Der Überlieferung zufolge verbrachte er dort Jahrzehnte auf einer Säule in asketischer Zurückgezogenheit. Das Heiligtum entwickelte sich danach zu einem bedeutenden Pilgerort.
Nach Angaben des Leiters der Anlage, Abdel Jalil Arabi, sind schätzungsweise 30 bis 40 Prozent des Areals beschädigt. Besonders betroffen ist ein eingestürzter westlicher Bogen mit seinen Säulen. Erhalten ist der Sockel der Säule des Symeon, während weitere Fragmente verstreut liegen. Die Fachleute wollen historische Pläne auswerten, um die erhaltenen Bauteile korrekt zuzuordnen und eine mögliche Wiederzusammensetzung vorzubereiten.
Die Schäden gehen auf mehrere Ursachen zurück. Das Areal wurde seit Beginn des syrischen Konflikts geplündert, durch unerlaubte Grabungen beeinträchtigt und zeitweise militärisch genutzt. Bereits im Mai 2016 hatte die UNESCO schwere Schäden an der Kirche von Saint-Siméon nach einem mutmaßlichen Luftangriff verurteilt. Das schwere Erdbeben vom Februar 2023 verschärfte die Gefährdung zusätzlich und beschädigte Bögen sowie Mauerwerk.
Der jüngste Besuch schließt eine Lücke, auf die UNESCO und Fachorganisationen seit Jahren hingewiesen hatten. In einem Zustandsbericht von 2024 hieß es, wegen des begrenzten Zugangs lasse sich das volle Ausmaß der Schäden nicht verlässlich bewerten. Für eine dauerhafte Sicherung seien deshalb eine detaillierte Untersuchung am Ort, technische Planung und abgestimmte Schutzmaßnahmen erforderlich.
Die französische Vertretung in Syrien stellte eine Zusammenarbeit zwischen der syrischen Generaldirektion für Altertümer und Museen sowie französischen Kultureinrichtungen in Aussicht. Auch die Stiftung Aliph und weitere Geldgeber sollen die Restaurierung unterstützen. Die französische Archäologie ist seit dem frühen 20. Jahrhundert in Syrien tätig; vor dem Krieg arbeiteten zahlreiche französische Missionen im Land.
Für die Restaurierung steht bereits ein älteres Konzept zur Verfügung, das mit lokalen Stellen und der französischen archäologischen Mission vorbereitet worden war. Es sah unter anderem einen besseren Besucherweg, die Wiederherstellung des Pilgerpfads und ein kleines Museum vor. Ob und wann diese weitergehenden Vorhaben umgesetzt werden, hängt jedoch von Finanzierung, Sicherheit und einer belastbaren Restaurierungsplanung ab.
Quellen
- Franceinfo
- AFP
- UNESCO
- Französisches Kulturministerium
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).