In Marseille haben Zimmermädchen am 2. Januar ihre Arbeit niedergelegt, um auf unhaltbare Arbeitsbedingungen, einen echten 13. Monatslohn und eine Sonderprämie für die Olympischen Spiele (JO) aufmerksam zu machen. Die Proteste führten durch das Stadtzentrum, vom Vieux-Port bis zu verschiedenen Hotels – darunter auch Häuser der Adagio-Kette.
Eine Branche in der Krise
Die Streikenden sind nicht direkt bei den Hotels angestellt, sondern bei den Subunternehmen Primium und Acqua, die den Reinigungsservice für die Adagio-Appart’hotels übernehmen. Diese Art der Fremdvergabe steht massiv in der Kritik: Laut der Gewerkschaft CNT-Solidarité Ouvrière werden die Beschäftigten oft unverhältnismäßig belastet, mit wechselnden Einsatzorten und unsicheren Arbeitsbedingungen.
Maria, 52 Jahre alt und seit 12 Jahren Zimmermädchen in Marseille, beschreibt den Alltag so: „Es ist zu hart, vor allem, wenn wir ständig zwischen verschiedenen Hotels wechseln müssen – oft ohne das nötige Material wie Reinigungswagen.“ Ihre Kollegin Safia, die als Gouvernante in einem Appart’hotel arbeitet, ergänzt: „Man muss sich ständig an neue Pläne oder Einsatzorte gewöhnen. Das ist stressig, besonders bei der aktuellen Personalknappheit.“
Nach der Pandemie hat sich die Tourismusbranche verändert: Früher gab es klare Hoch- und Tiefsaisons mit zusätzlichem Personal während der Stoßzeiten. Heute, so Safia, gibt es keine Entlastung mehr – selbst in vermeintlich ruhigen Zeiten ist die Arbeitslast überwältigend.
Ein unvollständiger 13. Monatslohn
Ein zentraler Punkt des Protests ist der sogenannte 13. Monatslohn. Obwohl dieser in der Branche oft Teil des Lohnpakets ist, erhalten die meisten Zimmermädchen in Marseille nur 60 % dieser zusätzlichen Zahlung. Die restlichen 40 % sind an Leistungsbewertungen gebunden – ein System, das für viele Betroffene unfair ist.
Die Gewerkschaftsvertreterin Gaëlle Barbero erklärt: „Die Qualitätspunkte hängen vom gesamten Zustand des Hotels ab, was nicht in der Verantwortung der Zimmermädchen liegt. Zudem ist die Kundenbewertung oft subjektiv und kann durch externe Faktoren wie Urlaubsvertretungen oder Einsätze in anderen Hotels negativ beeinflusst werden.“
Forderung nach einer Olympiaprämie
Ein weiterer Streitpunkt ist die sogenannte JO-Prämie in Höhe von 150 Euro, die einige Hotelangestellte bereits erhalten haben. Zimmermädchen, die in den gleichen Häusern arbeiten, wurden jedoch ausgeschlossen – obwohl sie im Zeitraum vom 15. Juli bis 15. August keine Urlaubstage nehmen durften, um die hohe Nachfrage während der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele zu bewältigen.
Der Kampf geht weiter
Die Proteste in Marseille sind ein Zeichen dafür, dass die Geduld vieler Beschäftigter in der Hotelbranche am Ende ist. Die Zimmermädchen fordern nicht nur fairere Löhne, sondern auch eine Anerkennung ihrer Arbeit – Arbeit, die oft im Hintergrund bleibt, aber für den reibungslosen Betrieb der Hotels unerlässlich ist.
Wird dieser Streik die notwendigen Veränderungen anstoßen? Eines ist sicher: Ohne die Frauen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Zimmer glänzen, steht die gesamte Hotelindustrie auf wackeligen Beinen.