Politik & Gesellschaft

Früherer Regionalpräsident Jean-Paul Huchon ist tot

Der Sozialist Jean-Paul Huchon ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Von 1998 bis 2015 führte er die Region Île-de-France und prägte dort eine Ära linker Mehrheiten.

Paris – 23.10.2026: Jean-Paul Huchon, der frühere sozialistische Präsident des Regionalrats von Île-de-France, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Seine Familie bestätigte seinen Tod am Freitag. Huchon stand von 1998 bis Ende 2015 an der Spitze der bevölkerungsreichsten Region Frankreichs. Zur Todesursache wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Der am 29. Juli 1946 in Paris geborene Verwaltungsbeamte gehörte über Jahrzehnte zum Parti socialiste. Seine politische Laufbahn war eng mit Michel Rocard verbunden, dem früheren Premierminister und Vordenker einer reformorientierten französischen Sozialdemokratie. Von 1988 bis 1991 leitete Huchon Rocards Kabinett im Amt des Premierministers. Die Zusammenarbeit prägte sein Verständnis von dezentraler Verwaltung und politischer Verantwortung.

Auf kommunaler Ebene übernahm Huchon 1994 das Bürgermeisteramt von Conflans-Sainte-Honorine im Département Yvelines, nachdem Rocard die Stadtpolitik verlassen hatte. Er blieb bis 2001 im Amt. Vier Jahre nach seinem Einzug ins Rathaus gewann er die Präsidentschaft des Regionalrats von Île-de-France; 2004 und 2010 wurde er wiedergewählt.

Seine Amtszeit fiel in eine Phase, in der die französischen Regionen politisch und wirtschaftlich an Gewicht gewannen. Île-de-France umfasst Paris und sieben weitere Départements, ist der zentrale Verkehrsknotenpunkt des Landes und verfügt über einen der größten Regionalhaushalte Frankreichs. Huchon setzte auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, regionale Investitionen und eine stärkere Stellung der Gebietskörperschaften gegenüber dem Zentralstaat. Damit beeinflusste er über 17 Jahre hinweg den Alltag von Millionen Einwohnern im Großraum Paris.

Seine Machtübernahme 1998 folgte auf eine schwere Belastungsprobe für die konservative Vorgängermehrheit: Ein Skandal um öffentliche Aufträge für den Bau und die Sanierung von Schulen hatte die Regionalpolitik erschüttert. Huchon, der in dem Verfahren als Kläger auftrat, führte anschließend eine Mehrheit aus Sozialisten, Kommunisten und Grünen. Bei der Regionalwahl 2015 verlor die Linke die Führung; Valérie Pécresse trat seine Nachfolge an.

Zu Huchons politischer Bilanz gehören auch zwei Verurteilungen wegen illegaler Interessenwahrnehmung. 2007 sprach ihn das Pariser Strafgericht wegen Verträgen zwischen dem Regionalrat und Kommunikationsunternehmen schuldig, bei denen seine Ehefrau beschäftigt war. Das Berufungsgericht bestätigte 2008 den Schuldspruch und die Bewährungsstrafe, hob jedoch den zunächst verhängten einjährigen Ausschluss von Wahlen auf.

Im Juni 2024 wurde Huchon erneut verurteilt: zu acht Monaten Haft auf Bewährung, 10.000 Euro Geldstrafe und einem Jahr Unwählbarkeit. Gegenstand des Verfahrens war ein regionaler Zuschuss von 60.000 Euro aus dem Jahr 2014 an den Verein Green Lotus. Ein Wahlmandat hatte Huchon seit 2015 nicht mehr inne.

Quellen

  • Franceinfo
  • La Dépêche du Midi
  • Fondation Jean-Jaurès
  • Le Monde
  • Le Parisien

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).