Alle Artikel

Fünf Tage im Abgrund – Wie ein 48-Jähriger in der Ardèche dem Tod entkam

Tief unten im zerklüfteten Tal der Ardèche, dort, wo sich die Straße wie ein graues Band an steile Hänge klammert, hat sich eine Geschichte ereignet, die selbst erfahrene Rettungskräfte den Kopf schütteln ließ. Ein 48-jähriger Autofahrer überlebte fünf Tage in einer schwer zugänglichen engen Schlucht – eingeklemmt in seinem Fahrzeug, schwer verletzt, abgeschnitten von der…

Illustration Nachrichten.fr
KI-Illustration

Tief unten im zerklüfteten Tal der Ardèche, dort, wo sich die Straße wie ein graues Band an steile Hänge klammert, hat sich eine Geschichte ereignet, die selbst erfahrene Rettungskräfte den Kopf schütteln ließ.

Ein 48-jähriger Autofahrer überlebte fünf Tage in einer schwer zugänglichen engen Schlucht – eingeklemmt in seinem Fahrzeug, schwer verletzt, abgeschnitten von der Außenwelt.

Der Unfall geschah nahe Saint-Julien-du-Gua, einer kleinen Gemeinde, die für ihre schroffen Abhänge entlang der Strasse D122 bekannt ist. Am Morgen des 16. Februar geriet der Mann aus bislang ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab. Sein Wagen überschlug sich, rutschte Hunderte Meter einen Hang hinab und blieb schließlich tief unten im Dickicht liegen – unsichtbar von der Straße aus.

Was dann folgte, grenzt an ein Wunder.

Fünf Tage harrte der Verletzte im Wrack aus. Kein Handyempfang, keine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Er blieb bei Bewusstsein, trank Wasser aus einem Rinnsal. Eine regenreiche Woche sorgte für stetigen Nachschub – ein Detail, das im Rückblick über Leben und Tod entschied. In solchen Situationen zählt jedes bisschen Improvisation. Wer einmal im Gebirge unterwegs war, weiß: Wasser ist alles.

Die Entdeckung erfolgte am 21. Februar eher zufällig. Eine Gruppe von Jägern, unterwegs zur Wildschweinjagd, bemerkte Autoteile am unteren Ende eines Hangs. Neugierig stiegen sie hinab. Zwischen verbogenem Metall und zerborstenen Scheiben sah einer von ihnen ein Gesicht und ein halb geöffnetes Auge. „Das vergisst du nicht“, sagte später einer der Beteiligten. In diesem Moment wurde aus einer Jagd ein Rettungseinsatz.

Binnen kurzer Zeit rückten Feuerwehr und spezialisierte Einheiten für Rettungen im unwegsamen Gelände an. Rund ein Dutzend Einsatzkräfte kämpfte sich durch das steile Terrain, unterstützt von einem Hubschrauber der Sécurité civile. Die Bergung zog sich über Stunden. Schließlich gelang der Transport in eine Klinik in der Region Lyon. Der Zustand des Mannes gilt als ernst, aber stabil.

Brisant: Seit Tagen lag bereits eine Vermisstenmeldung aus dem Département Allier vor. Die Suche lief, doch niemand vermutete den Vermissten in diesem abgelegenen Tal. Gegenüber den Ermittlern äußerte der Mann selbst die Vermutung, am Steuer eingeschlafen zu sein. Die Untersuchungen dauern an.

Zurück bleibt eine Geschichte, die in den Dörfern der Region noch lange erzählt werden dürfte. Zwischen steilen Felsen und dichten Wäldern, wo Stille normalerweise das letzte Wort hat, triumphierte in diesem Fall der Zufall – und eine bemerkenswerte Portion Überlebenswille.

Manchmal schreibt das Leben eben doch die unwahrscheinlichsten Drehbücher.

Daniel Ivers