Paris – 16.09.2026: Gedichte aus dem Gefängnis erreichen nun ein französisches Publikum. Unter dem Titel "Weil der Februar nicht enden will" ist in Frankreich eine Sammlung von Texten der russischen Theaterregisseurin und Dichterin Evgenia Berkovich erschienen. Der 150 Seiten umfassende Band kam am 2. September bei Editions Tourgueneff heraus. Die darin versammelten Gedichte waren zuvor in Russland nicht als Buch veröffentlicht worden.
Berkovich, auch unter dem Vornamen Jenia bekannt, gehört zu den profilierten kritischen Stimmen des russischen Theaters. Ihre Texte entstanden nach Angaben zur französischen Ausgabe zunächst unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, später während ihrer Haft. Sie handeln von Krieg und Verlust, von Angst und einem Alltag, dessen Grenzen durch Gefängnismauern bestimmt werden. Die Übersetzung macht dieses lyrische Werk erstmals geschlossen auf Französisch zugänglich.
Die Regisseurin wurde am 8. Juli 2024 gemeinsam mit der Dramatikerin Svetlana Petriychuk von einem Militärgericht in Moskau zu jeweils sechs Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt. Die Anklage warf ihnen die Rechtfertigung von Terrorismus vor. Das Verfahren entzündete sich an der Theaterproduktion "Finist, der helle Falke". Das Stück erzählt von Frauen, die im Internet von Islamisten angeworben werden und nach Syrien reisen.
Berkovich und Petriychuk bestritten den Vorwurf. Unterstützerinnen und Unterstützer verstanden die Inszenierung als Warnung vor Radikalisierung, nicht als Billigung terroristischer Gewalt. Das Werk war 2022 mit der Goldenen Maske, einem bedeutenden russischen Theaterpreis, ausgezeichnet worden. Nach Angaben des französischen Außenministeriums bestätigte Russlands Oberster Gerichtshof das Urteil 2025.
Die französische Regierung bezeichnete die Verurteilung als politisch motiviert und verlangte die sofortige und bedingungslose Freilassung der beiden Künstlerinnen. Auch ein Bericht der Vereinten Nationen über die strafrechtliche Verfolgung von Kunstschaffenden mit Antikriegspositionen in Russland nennt ihren Fall. Die russischen Behörden halten dagegen am strafrechtlichen Terrorismusvorwurf fest.
An der Übertragung arbeiteten mehrere Übersetzerinnen und Übersetzer, darunter Guilhem Pousson, Marina Skalova, Christine Zeytounian-Belous und Marion Graf. Die Illustrationen stammen von Varvara Rosenthal. Viele der Texte hatten zuvor vor allem über soziale Netzwerke Verbreitung gefunden und zirkulierten damit außerhalb der staatlich kontrollierten russischen Verlagslandschaft.
Die französische Ausgabe verbindet so eine literarische Entdeckung mit dem Zeugnis fortdauernder Repression. Zugleich bleibt die juristische Trennlinie eindeutig: Berkovich wurde nicht wegen der nun veröffentlichten Gedichte verurteilt, sondern wegen der Inszenierung von "Finist, der helle Falke".
Quellen
- Franceinfo
- Editions Tourgueneff über Fnac
- Französisches Außenministerium
- Vereinte Nationen
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).