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Gefährdete Schönheit gerettet: François Pinault spendet 800.000 Euro für Barockjuwel der Bretagne

Was lange währt, wird endlich restauriert – und das dank eines Mannes, dessen Name weltweit mit Kunst und Mäzenatentum verbunden ist: François Pinault. Der französische Milliardär greift tief in die Tasche, um ein in Vergessenheit geratenes Meisterwerk zu retten – das barocke Retabel der Kirche Saint-Derrien in Commana, mitten im Herzen der mystischen Monts d’Arrée.…

François Pinault (Wikipedia)

Was lange währt, wird endlich restauriert – und das dank eines Mannes, dessen Name weltweit mit Kunst und Mäzenatentum verbunden ist: François Pinault. Der französische Milliardär greift tief in die Tasche, um ein in Vergessenheit geratenes Meisterwerk zu retten – das barocke Retabel der Kirche Saint-Derrien in Commana, mitten im Herzen der mystischen Monts d’Arrée.

Das klingt nach einem typischen Fall von "reiche Leute tun gute Dinge"? Vielleicht. Doch wer die Geschichte dieses Retabels kennt, ahnt: Hier geht es um mehr als um Geld.

https://twitter.com/franceinfo/status/1933190167038239038

Ein kunsthistorischer Schatz vor dem Verfall

Im Jahr 1682 vollendet, steht das Retabel von Sainte-Anne wie ein stiller Zeuge über 340-jähriger Geschichte im Zentrum des sogenannten "enclos paroissial" von Commana – einem dieser faszinierenden kirchlichen Ensembles, die in der Bretagne einzigartig sind. Holzschnitzereien, so fein, dass sie fast lebendig erscheinen – doch die Zeit hat Spuren hinterlassen. Feuchtigkeit, bröckelndes Holz, undichte Stellen im Dach: Das Ensemble drohte buchstäblich zu zerfallen.

Die geplante Restaurierung, die im Sommer 2025 beginnt, umfasst nicht nur das Retabel selbst, sondern auch das Dach der angrenzenden Kapelle. Schließlich schützt nur ein stabiles Dach das filigrane Kunstwerk vor weiterem Verfall. Das ist keine Schönheitskur – das ist eine Rettungsmission.

Ein Geldsegen nach langem Warten

Schon 2015 wurde das Dossier zur Restaurierung eröffnet. Doch trotz der Bedeutung des Objekts für die regionale Identität verlief die Suche nach ausreichender Finanzierung zäh – bis jetzt.

Pinaults Holding Artémis sagt 800.000 Euro zu. Der Moment der Zusage war mehr als eine Formalie: In Anwesenheit lokaler Würdenträger und Jean-Jacques Aillagon, dem Präsidenten der „Mission Enclos Paroissiaux“, wurde der Spendenvertrag unterzeichnet – ein Akt mit Symbolkraft. Denn Pinault setzt mit dieser Geste seine ganz persönliche Serie kultureller Rettungstaten fort.

Ein anderer hätte vielleicht ein Museum gebaut. Pinault schenkt einem Zeugnis vergangener Jahrhunderte eine zweite Chance.

Ein Ort auf dem Weg zum Welterbe

Zwischen 8.000 und 10.000 Besucher pro Jahr – das ist die Bilanz des kleinen Ortes Commana. Nicht schlecht für ein Dorf, das mehr Kühe als Einwohner zählt. Und doch träumt man dort von Größerem: Die Aufnahme des enclos paroissial ins UNESCO-Weltkulturerbe. Die Restaurierung des Retabels könnte das letzte fehlende Puzzlestück sein.

Der Bürgermeister Philippe Guéguen bringt es auf den Punkt: „Es war ein Stich ins Herz, den Verfall mitanzusehen.“ Heute ist der Ton hoffnungsvoll. Der Stolz, Teil dieser Wiederauferstehung zu sein, ist spürbar.

Ein Mann – viele Taten

François Pinault hat sich längst einen Namen gemacht – nicht nur als Sammler moderner Kunst oder Eigner von Luxusmarken wie Gucci. Seine Verbindung zur Bretagne, seiner Heimat, ist tief verwurzelt. 1990 half er, die Wälder von Paimpont nach einem Brand wiederaufzuforsten. Im Jahr 2000 unterstützte er finanziell nach der Ölkatastrophe der Erika. Und 2019 versprach er 100 Millionen Euro zur Rettung von Notre-Dame.

Diese konsequente Förderung von Kulturgütern ist keine PR-Maßnahme – sie ist Ausdruck eines Verständnisses von Verantwortung, das selten geworden ist. Denn Pinault rettet nicht nur Objekte – er bewahrt Geschichte.

Andere folgen dem Beispiel

Pinault ist nicht allein. Auch andere zeigen Herz für die bretonischen Kleinodien. Erst im November 2024 kündigte ein in Australien lebender Franzose eine testamentarische Spende zur Restaurierung des enclos von Guimiliau an. Langsam aber sicher entsteht ein Netzwerk von Unterstützern – ein stiller Aufstand gegen das Vergessen.

Und dabei geht es nicht nur um Steine und Holz. Es geht um Identität, Erinnerung, Verwurzelung. Und um die simple, doch tiefgehende Wahrheit: Wer seine Geschichte kennt, hat Zukunft.

Was bleibt?

Vielleicht diese eine Frage: Wie viel Geschichte darf verfallen, bevor wir handeln? Dank François Pinault bleibt uns in Commana nun ein kostbares Kapitel erhalten – kunstvoll geschnitzt, tief verankert in der bretonischen Seele.

Ein Mann, ein Retabel – und eine ganze Region, die wieder Hoffnung schöpft.

Von C. Hatty

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