Paris – 20.09.2026: Viele französische Gemüsebetriebe verkaufen ihre Erzeugnisse direkt an Kundinnen und Kunden, um einen größeren Anteil des Verkaufspreises zu behalten. Doch selbst dieser Weg sichert ihnen kein auskömmliches Einkommen. Mehrere Betriebe berichten in einem am Samstagabend ausgestrahlten Beitrag von Franceinfo, dass ihre Einkünfte weiterhin unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.
Der Verkauf ab Hof, auf Wochenmärkten, über Gemüseabonnements oder in Erzeugerläden verkürzt die Handelskette. Zwischenhändler entfallen, die Betriebe können ihre Preise eher selbst bestimmen und den Kontakt zu ihrer Kundschaft pflegen. Dem wirtschaftlichen Vorteil steht jedoch zusätzlicher Aufwand gegenüber: Bestellungen müssen bearbeitet, Waren sortiert und verpackt, Verkaufsstände betreut und Lieferungen organisiert werden. Diese Tätigkeiten kommen zu Aussaat, Bewässerung, Pflege, Ernte und Verwaltung hinzu.
Gerade in kleinen Betrieben lässt sich die Arbeit nur begrenzt verteilen. Längere Verkaufstage oder zusätzliche Absatzorte erhöhen zwar den Umsatz, binden aber Zeit, die auf den Feldern fehlt. Auch schwankt die Nachfrage, während erntereifes Gemüse rasch verkauft werden muss. Nicht jede produzierte Menge lässt sich deshalb zu dem Preis absetzen, den der Betrieb für eine angemessene Vergütung benötigen würde.
Hinzu kommen hohe Ausgaben für Energie, Betriebsmittel und Transport. Die Regierung hatte im Frühjahr 2026 angesichts der gestiegenen Kosten weitere Hilfen für besonders belastete landwirtschaftliche Betriebe angekündigt. Dazu zählten Entlastungen bei Sozialabgaben und bei der Besteuerung von Agrardiesel. Solche Maßnahmen können akute Liquiditätsprobleme mildern, ändern aber wenig daran, dass viele Höfe dauerhaft höhere und verlässlichere Erlöse brauchen.
Eine im September veröffentlichte Untersuchung von FranceAgriMer beschreibt die wirtschaftliche Lage kleiner Obst- und Gemüsebetriebe. Dafür wurden zwischen März und Juni 2026 insgesamt 72 Fachleute befragt. Knapp drei Viertel der untersuchten Gemüsebaubetriebe galten demnach als tragfähig oder rechneten mit einer baldigen Stabilisierung. Gleichzeitig nannten die Befragten niedrige Einkommen und eine hohe Arbeitsbelastung als zentrale Schwierigkeiten.
Wie verbreitet das Problem ist, zeigen auch Daten des Observatoriums für faire landwirtschaftliche Vergütung. Einer im Frühjahr 2026 veröffentlichten Untersuchung zufolge erzielten 43 Prozent der Landwirtinnen und Landwirte zwischen 2015 und 2024 mit ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit weniger als den Mindestlohn. Im Gemüsebau verschärfen Wetterrisiken, saisonale Erntespitzen und hohe Fixkosten diesen Druck.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen kurze Absatzwege mehr Transparenz über Herkunft und Produktionsbedingungen. Sie machen jedoch auch sichtbar, welcher Preis nötig ist, um den arbeitsintensiven Anbau zu finanzieren. FranceAgriMer zufolge hängt die wirtschaftliche Perspektive kleiner Gemüsehöfe wesentlich von ihrer Vermarktung, einer verlässlichen Kundschaft und der dauerhaften Bewältigung der hohen Arbeitslast ab.
Quellen
- Franceinfo
- Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Ernährungssouveränität
- FranceAgriMer
- Max Havelaar France
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).