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Gérard Depardieu vor Gericht: Frankreichs Filmbranche am Wendepunkt

Gérard Depardieu – ein Name, der Jahrzehnte lang für das goldene Zeitalter des französischen Kinos stand. Für Kultfilme, internationale Anerkennung und eine unverkennbare Leinwandpräsenz. Doch nun steht der Schauspieler aus ganz anderen Gründen im Rampenlicht. Der Prozess, der am 24. und 25. März 2025 vor dem Strafgericht in Paris stattfindet, bringt nicht nur ihn selbst,…

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Gérard Depardieu – ein Name, der Jahrzehnte lang für das goldene Zeitalter des französischen Kinos stand. Für Kultfilme, internationale Anerkennung und eine unverkennbare Leinwandpräsenz. Doch nun steht der Schauspieler aus ganz anderen Gründen im Rampenlicht. Der Prozess, der am 24. und 25. März 2025 vor dem Strafgericht in Paris stattfindet, bringt nicht nur ihn selbst, sondern auch ein ganzes System ins Wanken.

Zwei Frauen, ein Set – ein schwerwiegender Vorwurf

Die Dreharbeiten zu „Les Volets Verts“ im Jahr 2021 bilden den Ausgangspunkt der aktuellen Anklage. Zwei Frauen – eine Set-Dekorateurin und eine Regieassistentin – werfen dem damals 72-jährigen Depardieu vor, sie am Set sexuell belästigt zu haben. Es geht um obszöne Bemerkungen, um unerwünschte Berührungen, um Macht und Missbrauch. Drei Zeugen sollen das Geschehen mitbekommen haben.

Die Identität der beiden Betroffenen bleibt aus Schutzgründen geheim. Doch was sie schildern, wirft einen düsteren Schatten auf eine Filmproduktion, die eigentlich Kunst hätte feiern sollen.

Und es ist nicht das erste Mal, dass der Schauspielstar mit solchen Vorwürfen konfrontiert wird.

Ein déjà-vu: Die Anschuldigungen von Charlotte Arnould

Bereits 2018 klagte die Schauspielerin Charlotte Arnould Depardieu wegen sexueller Gewalt an. Zunächst versandete der Fall. Doch 2020 wurde das Verfahren wieder aufgenommen – und im August 2024 entschied die Staatsanwaltschaft, Anklage zu erheben. Auch in diesem Fall geht es um Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe.

Für viele Beobachter ist das ein Zeichen dafür, dass Frankreich beginnt, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen – und mit jenen, die sie geprägt haben.

Krankheit als Bremse – oder als Taktik?

Ursprünglich hätte Depardieu sich im Oktober 2024 vor Gericht verantworten sollen. Doch der Termin wurde verschoben. Der Grund: gesundheitliche Probleme. Der mittlerweile 76-Jährige leidet unter anderem an Diabetes und Herzbeschwerden. Sein Anwalt Jérémie Assous beantragte deshalb eine Verlegung – das Gericht gab nach.

Diese Verschiebung wurde von manchen als notwendig empfunden, von anderen kritisch beäugt. Denn Zeit kann auch ein Mittel sein – für juristische Strategien, für öffentliche Meinungsbildung, für das Vergessen.

Ein Prozess unter dem Stern von #MeToo

Die #MeToo-Bewegung hat in den letzten Jahren weltweit für eine neue Sensibilität gesorgt. In den USA fielen einst unantastbare Namen. Auch in Frankreich kam es zu Diskussionen, zu ersten Umbrüchen – doch oft schien es, als würde das Land seine großen Namen noch immer mit Samthandschuhen anfassen.

Gerade deshalb gilt der Prozess gegen Depardieu als Lackmustest. Schafft es Frankreich, auch einer kulturellen Ikone gegenüber konsequent zu sein? Oder bleibt es bei Symbolpolitik?

Man spürt förmlich, wie viel mehr als nur ein persönliches Schicksal hier auf dem Spiel steht.

Zerreißprobe in der Filmbranche

Die französische Filmindustrie steckt in einem Dilemma. Einige Künstlerinnen und Künstler, darunter Anouk Grinberg, stellen sich offen auf die Seite der Klägerinnen und werfen Depardieu ein „verwerfliches Verhalten“ vor. Andere, wie Josiane Balasko, berichten dagegen von rein professionellen Erfahrungen mit ihm.

So entsteht ein gespaltenes Bild – einerseits ein Bewusstsein für die Problematik sexueller Gewalt, andererseits eine fast reflexartige Verteidigung der alten Garde. Der Mythos Depardieu bröckelt, aber er ist noch nicht gefallen.

Frankreich im Spiegel seiner Ikonen

Der Fall Depardieu zwingt Frankreich dazu, sich mit einem Teil seiner kulturellen DNA auseinanderzusetzen. Die Frage lautet: Wie viel Gewicht darf Ruhm haben, wenn es um Unrecht geht? Kann ein Künstler von Weltformat sich auf seine Verdienste berufen, wenn ihm schwerwiegende Vorwürfe gemacht werden?

Oder, etwas zugespitzt: Wie lange kann ein Star größer sein als das Gesetz?

Eine Entscheidung mit Signalwirkung

Wenn das Gericht Ende März urteilt – oder auch nur erste Weichen stellt –, wird das Echo weit über den Gerichtssaal hinausreichen. Denn es geht längst nicht mehr nur um Gérard Depardieu. Es geht um ein gesellschaftliches Klima, um Gerechtigkeit, um den Umgang mit Macht.

Vielleicht ist dieser Prozess genau das: ein Kipppunkt.

Oder anders gesagt – die Frage, ob Frankreich bereit ist, das Schweigen der Vergangenheit zu brechen und sich von einer Kultur des Wegschauens zu verabschieden.

Von C. Hatty