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Getötet wegen einer Keksdose – ein Mord vor einem Wohnheim erschüttert die Normandie

Manchmal genügt ein Augenblick. Ein falsches Wort, ein Griff zu viel. In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 2026 verwandelte sich vor einem Wohnheim in Vernon ein banaler Streit in tödliche Gewalt – mit Folgen, die weit über den Tatort hinausreichen. Gegen 1.30 Uhr ging bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein. Vor…

Foto David von Diemar

Manchmal genügt ein Augenblick. Ein falsches Wort, ein Griff zu viel. In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 2026 verwandelte sich vor einem Wohnheim in Vernon ein banaler Streit in tödliche Gewalt – mit Folgen, die weit über den Tatort hinausreichen.

Gegen 1.30 Uhr ging bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein. Vor dem Adoma-Wohnheim in der Rue de la Grosse Borne lag ein Mann reglos am Boden. Die Einsatzkräfte fanden einen 40-jährigen Tunesier, der an zwei Messerstichen in den Brustkorb gestorben war. Einer der Stiche hatte das Herzgetroffen. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät.

Was den Ermittlern der Kriminalpolizei aus Évreux kurz darauf bekannt wurde, wirkt wie eine bittere Groteske. Auslöser der Auseinandersetzung, so die Staatsanwaltschaft, war der Streit um den Besitz einer einfachen Keksdose. Zwei Männer, die sich kannten, saßen zuvor gemeinsam im Gemeinschaftsraum des Wohnheims. Worte wurden lauter, Gesten aggressiver. Dann kippte die Situation.

Der mutmaßliche Täter, ein 47-jähriger Mann aus dem Sudan, erklärte später, er sei zuerst angegriffen worden – mit einem Stuhl, dann mit einem Tisch. In dieser Eskalation habe er ein Messer ergriffen, das sich im Raum befand. Minuten später war ein Mensch tot.

Nach der Tat floh der Verdächtige. Ein 52-jähriger Bekannter marokkanischer Herkunft brachte ihn mit dem Auto bis nach Mantes-la-Jolie, von dort ging es weiter nach Paris. Die Polizei konnte den Mann dank der Ortung seines Mobiltelefons am nächsten Vormittag im 18. Arrondissement festnehmen. Der mutmaßliche Helfer wurde wenig später in Vernon aufgegriffen.

Beide Männer wurden am 31. Januar dem Gericht in Évreux vorgeführt. Gegen sie läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes beziehungsweise Beihilfe zum Mord. Das Strafmaß, sollte es zu einer Verurteilung kommen, reicht bis zu 30 Jahre Haft. Beide Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.

Der Fall wirft Fragen auf, die über das Strafrecht hinausgehen. Das Wohnheim, der soziale Druck, das enge Zusammenleben, kleine Konflikte ohne Ventil – all das bildet einen fragilen Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass der Hauptverdächtige als sogenannte „S-Person“ - also als möglicher "Gefährder" - erfasst war, ohne dass ein Zusammenhang zwischen dieser Einstufung und der Tat festgestellt wurde.

Ein Mord wegen einer Keksdose. Das klingt absurd, fast lächerlich. Und doch zeigt dieser Fall, wie schnell scheinbar nichtige Auslöser in einem angespannten sozialen Umfeld in rohe Gewalt umschlagen können. Eine Nacht, ein Streit, ein Messer – und ein Leben ist ausgelöscht.

Von Daniel Ivers