Eine entlaufene Kobra sorgt im Süden Frankreichs für Ausnahmezustand. In Castelginest, einer kleinen Gemeinde nördlich von Toulouse, suchen Feuerwehr und Spezialkräfte seit Dienstagabend nach der hochgiftigen Schlange. Die Warnung der Stadtverwaltung verbreitete sich rasend schnell – erst über soziale Netzwerke, dann per Lautsprecherdurchsage und schließlich von Haustür zu Haustür. In vielen Familien dürfte die Nacht ziemlich unruhig verlaufen sein.
Aus Vorsicht zog die Gemeinde am Mittwoch drastische Konsequenzen. Parks, Sportplätze, Friedhöfe und öffentliche Gärten blieben geschlossen. Auch Schulen, Freizeitzentren und Einrichtungen für Kleinkinder öffneten ihre Türen nicht. Für einen Ort dieser Größe wirkt eine solche Maßnahme fast surreal. Wo sonst Kinder Fußball spielen oder ältere Bewohner ihre morgendliche Runde drehen, herrscht plötzlich Stille.
Die Behörden appellieren eindringlich an die Bevölkerung, hohe Wiesen und dichtes Gebüsch zu meiden. Eltern sollen besonders aufmerksam bleiben und Haustiere möglichst nicht unbeaufsichtigt draußen herumlaufen lassen. Die wichtigste Regel lautet allerdings: Abstand halten. Niemand soll versuchen, das Tier einzufangen oder gar zu vertreiben. Wer den Kobra entdeckt, soll sofort die Feuerwehr alarmieren und – falls gefahrlos möglich – aus sicherer Entfernung ein Foto aufnehmen.
Der Einsatz erinnert ein wenig an Szenen aus einem Abenteuerfilm, nur eben mitten im Alltag einer französischen Vorstadt. Spezialisten der Feuerwehr durchkämmen derzeit Grünflächen und schwer zugängliche Bereiche. Zusätzlich installierten sie Fallen, um das Tier möglichst schnell und ohne Gefahr für Anwohner zu sichern. Noch gibt es keine Spur des Reptils.
Woher die Kobra stammt, bleibt bislang ungeklärt. Genau diese Unsicherheit sorgt für zusätzliche Nervosität. Denkbar erscheint ein entlaufenes Terrarientier aus privater Haltung. In Frankreich existiert wie in vielen europäischen Ländern eine kleine Szene exotischer Tierhalter, die hochgefährliche Schlangen besitzen. Gerät eines dieser Tiere außer Kontrolle, entsteht schnell eine heikle Lage – besonders in dicht besiedelten Wohngebieten.
Kobras zählen zu den gefährlichsten Giftschlangen der Welt. Ihr Gift greift das Nervensystem an und kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohliche Folgen auslösen. Zwar reagieren diese Tiere meist nicht aggressiv ohne Provokation, doch allein die Möglichkeit einer Begegnung reicht aus, um Behörden in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen.
In Castelginest hofft man nun auf eine schnelle Entwarnung. Bis dahin bleibt die Gemeinde wachsam – und viele Bewohner schauen beim Spaziergang vermutlich zweimal ins Gras.
Daniel Ivers