Die symbolische Zeitmarke für die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen ist in Frankreich wieder erreicht. Ab dem 8. November um 16:48 Uhr „arbeiten Frauen bis Jahresende kostenlos“, so die Initiative „Les Glorieuses“. Diese jährliche Aktion weist darauf hin, dass Frauen in Frankreich nach wie vor 13,9 % weniger als Männer verdienen (Daten 2022) und markiert den Zeitpunkt, ab dem ihre Arbeitskraft im Vergleich zu Männern symbolisch nicht mehr bezahlt wird. Im Jahr 2021 betrug das Gehaltsgefälle sogar noch 15,4 %, was die Zeit dieses „unbezahlten“ Zeitraums im Vorjahr früher ansetzte, auf den 6. November um 11:25 Uhr.
Rebecca Amsellem, die Gründerin der Initiative „Les Glorieuses“, spricht von einer minimalen Verbesserung. Doch während in Frankreich Fortschritte nur langsam sichtbar werden, bieten andere Länder klare Erfolgsbeispiele, die Frankreich laut Amsellem adaptieren könnte. Schweden und Island etwa sind bekannt für eine transparente Lohngleichheit und den Ausbau von Maßnahmen zur Lohnangleichung.
Vorschläge für eine gerechte Bezahlung
Im jährlichen Bericht von „Les Glorieuses“ wird darauf hingewiesen, dass Lösungen zur Überwindung der Gehaltsunterschiede längst existieren und in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt wurden. Die Organisation verweist auf mehrere Schlüsselmaßnahmen:
- Transparenz bei den Gehältern: Island verlangt von Unternehmen, dass sie die Einhaltung der Gehaltsgleichheit beweisen und konkrete Pläne zur Angleichung vorlegen. Amsellem betont, dass Transparenz eine „unabdingbare Voraussetzung“ für eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik sei.
- Ausbau von Elternzeit und gleichen Arbeitsbedingungen: In Schweden wird ein gleichwertiger Elternurlaub für beide Elternteile gewährt, der zur Gleichberechtigung am Arbeitsplatz beiträgt. In Frankreich wird ein solches System bislang nur in Ansätzen umgesetzt.
- Anhebung der Löhne in frauenstarken Berufen: In Ländern wie Neuseeland wurde der Fokus darauf gelegt, Löhne in Bereichen wie Gesundheitswesen, Bildung und Pflege anzuheben, da diese Branchen häufig von Frauen dominiert sind und vergleichsweise niedrig entlohnt werden.
- Flexible Arbeitsmodelle: Spanien hat den flexiblen Arbeitsansatz erweitert, um es Eltern zu erleichtern, Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. Solche Modelle könnten auch in Frankreich die Position von Frauen im Arbeitsmarkt stärken.
Ein langer Weg zur Gleichberechtigung
Trotz solcher Vorschläge wird in Frankreichs Politik der Weg zur Lohngleichheit durch komplexe strukturelle Hürden erschwert. Die symbolische Aktion von „Les Glorieuses“ soll das Bewusstsein dafür schärfen und zeigt, dass Gleichberechtigung keine utopische Forderung ist, sondern in anderen Ländern bereits Realität. Letztendlich bleibt abzuwarten, ob und wann Frankreich ähnliche Reformen umsetzt und ob solche Maßnahmen spürbare Fortschritte bringen können.