In der Bretagne bahnt sich etwas an, das fast an einen Westernfilm erinnert – Goldsuche. Doch was nach romantischer Schatzsuche klingt, sorgt vielerorts für Aufregung, Widerstand und ernste Debatten. Drei Anträge auf exklusive Schürfrechte durch die Firma Breizh Ressources lassen derzeit die Emotionen hochkochen.
Die Rückkehr des Bergbaus – ausgerechnet in der Bretagne?
Die Bretagne war schon früher Schauplatz intensiver Bergbautätigkeit. Nun nimmt die Region wieder eine Schlüsselrolle ein – diesmal in einer Zeit, in der der Bedarf an strategischen Metallen für Technologien der Zukunft massiv steigt.
Die Firma Breizh Ressources, Tochter des kanadischen Unternehmens Aurania Resources, hat gleich drei sogenannte PER (Permis Exclusifs de Recherche) beantragt – mit den mythisch klingenden Namen EPONA, TARANIS und BÉLÉNOS. Insgesamt geht es um eine Fläche von über 850 Quadratkilometern in der Bretagne und im angrenzenden Pays de la Loire.
Was steckt hinter diesen Namen?
- EPONA betrifft 51 km² im Morbihan – darunter Orte wie Hennebont, Nostang und Kervignac.
- TARANIS – mit rund 395 km² – erstreckt sich über mehrere Departements, darunter Morbihan und Ille-et-Vilaine.
- BÉLÉNOS umfasst sogar 440 km² in der Loire-Atlantique und Maine-et-Loire.
Die Objekte der Begierde: Gold, Silber, Kupfer, Lithium, Wolfram und seltene Erden – allesamt Rohstoffe, die in Smartphones, Solarpanels und Elektroautos stecken. Kurzum: das Rückgrat der Energiewende.
Goldrausch trifft auf Widerstand
Die Aussicht auf neue Jobs und wirtschaftlichen Aufschwung sorgt bei manchen für Begeisterung. Aber – und das ist der Knackpunkt – viele Menschen in der Region sind skeptisch. Oder besser gesagt: alarmiert.
Denn ein PER bedeutet zwar noch keine Mine, erlaubt aber umfangreiche geologische Untersuchungen. Und genau hier beginnt der Ärger: Gemeinderäte wie der von Saint-Ganton sagen deutlich Nein zum Projekt TARANIS. Begründung? Angst vor der Zerstörung von Landschaft und Trinkwasserquellen.
Protestgruppen wie „Stop Taranis“ sind schnell gewachsen. Mit klarer Botschaft: „Keine Mine hier – und auch nicht anderswo!“
Ökonomie gegen Ökologie?
Die Forscher von Breizh Ressources betonen, dass ihre Untersuchungen – Bodenproben, Bohrungen und geophysikalische Messungen – umweltverträglich seien. Doch viele zweifeln daran. Es geht um das Grundwasser, um sensible Böden, um Lärm und Lichtverschmutzung – und nicht zuletzt um das Vertrauen in ausländische Firmen.
Gleichzeitig aber steht die Region wirtschaftlich unter Druck. Strukturwandel, sinkende Arbeitsplätze in der Landwirtschaft – und nun kommt ein potenzieller Jobmotor daher, verspricht Einnahmen für Gemeinden und Fortschritt.
Was wiegt schwerer?
Wenn die Entscheidung zur Zerreißprobe wird
Aktuell laufen die Genehmigungsverfahren. Öffentliche Konsultationen fanden bereits statt. Jetzt sind die Behörden am Zug – sie müssen entscheiden, ob diese Projekte eine Zukunft haben oder auf Widerstand und Umweltbedenken stoßen.
Dabei geht es längst nicht nur um drei Projekte. Es geht um einen Testfall: Wie viel Rohstoffsicherung verträgt die Umwelt? Und wie können Regionen davon profitieren, ohne ihre Seele zu verkaufen?
Der Wunsch, unabhängig von ausländischen Lieferketten zu sein, ist verständlich. Frankreich will sich beim Zugang zu kritischen Metallen besser aufstellen. Aber zu welchem Preis? Wollen die Menschen in der Bretagne wirklich ihre Wälder, Felder und Flüsse für Kupfer und Lithium aufs Spiel setzen?
Vielleicht ist es an der Zeit, den Dialog zu vertiefen – nicht mit Floskeln, sondern mit echten Antworten. Denn eines ist klar: In der Bretagne geht es nicht nur um Erze. Es geht um Heimat, Identität – und die Frage, wem die Zukunft gehört.
Von Andreas M. Brucker