Man stelle sich vor: Sonntagmorgen, die Sonne blinzelt, ein entspannter Ausflug, eine Pflanze im Arm – und plötzlich ein Bußgeld über 150 Euro. Genau das ist Salomé passiert, einer jungen Journalistin aus Paris. Ihr „Vergehen“? Sie transportierte ihre grüne Mitbewohnerin, eine Strelitzie, durch den Pariser U-Bahnhof République.
Eine Pflanze, die zur Kontroverse wurde
Salomé war mit einer Freundin unterwegs, als sie von einer RATP-Mitarbeiterin gestoppt wurde. Sie dachte zunächst an eine Routinekontrolle. Doch dann kam der Schlag: „150 Euro Strafe – wegen der Pflanze.“ Ungläubig fragte sie noch nach dem Betrag, rechnete mit 20 oder 30 Euro. Doch die Zahl blieb. Ein echter Schlag ins Gesicht – wegen eines grünen Blattes zu viel?
Sie war nicht allein mit ihrem Unverständnis.
Was darf in die Metro – und was nicht?
Laut Reglement der RATP dürfen Gepäckstücke maximal 75 cm groß sein, längliche Gegenstände dürfen bis zu zwei Meter betragen, wenn sie senkrecht getragen werden. Salomés Strelitzie – zu groß? Vielleicht. Aber sie störte niemanden, nahm kaum Platz weg, stand aufrecht und war, wie Salomé selbst sagt, harmlos. Kein Ast im Gesicht, kein Dschungel-Feeling für andere Fahrgäste.
Und hier wird's interessant: Wer weiß das überhaupt? Wer misst zu Hause die Größe seines Einkaufs oder der Topfpflanze vor dem U-Bahn-Gang? Vermutlich kaum jemand.
Prune, die berühmteste Pflanze Frankreichs
Das Netz tat, was es am besten kann: reagieren. Auf Reddit kursierten Kommentare wie „Sie durfte die Pflanze nach der Strafe weiter mitnehmen – das ist ja magisch!“ und „Man hat sie Prune getauft – der Name passt.“ Prune, die kleine grüne Rebellin, wurde zur Symbolfigur einer Debatte über Sinn und Unsinn von Regeln.
Viele Pariser fragten sich, warum ausgerechnet Salomé zur Zielscheibe wurde, während andere mit Fahrrädern, Koffern oder Musikinstrumenten unbehelligt unterwegs sind. Die Anwendung der Regeln scheint – wie so oft – eher dem Zufall überlassen zu sein.
Ordnung muss sein – aber wie viel ist zu viel?
Natürlich, Regeln in den öffentlichen Verkehrsmitteln haben ihren Sinn: Sicherheit, Ordnung, Komfort. Niemand möchte im Berufsverkehr zwischen einem Surfbrett und einem übergroßen Plüschelefanten eingeklemmt sein. Aber ein bisschen gesunder Menschenverstand – das wär doch auch was, oder?
Eine Chronistin von Europe 1 brachte es humorvoll auf den Punkt: „Die Kontrollressourcen der RATP wären besser investiert, wenn man Drogenschmuggler statt Geranienliebhaber jagen würde.“
Touché.
Ein Kommunikationsproblem – keine Pflanzenverschwörung
Am Ende zeigt der Fall vor allem eines: Die Regeln sind da – aber keiner kennt sie. Vielleicht wären klarere Schilder in den Stationen hilfreich. Vielleicht wäre auch eine differenziertere Kontrolle sinnvoll, bei der nicht jede Pflanze gleich als Gefahr eingestuft wird.
Und ja – vielleicht hätte Salomé ihre Strelitzie etwas diskreter verpacken können. Aber dann wäre uns diese herrlich absurde Geschichte entgangen, die einem Monty-Python-Sketch Konkurrenz macht.
Die Moral von der Geschicht? Achtung bei Botanik im U-Bahn-Licht
Wer in Paris mit der Metro fährt, sollte nun besser Maßband und Zollstock dabei haben – oder zumindest wissen, dass eine Pflanze auch mal zur Kostenfalle werden kann. Die 150 Euro hat Salomé zähneknirschend bezahlt. Ihre Pflanze aber – die lebt weiter. Und heißt jetzt eben Prune.
Von Andreas M. B.