Frankreich

Hoffnungsschimmer im Schatten des Krebses: Neues Medikament verdoppelt Überlebenszeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Es ist eine dieser Nachrichten, die in der Medizin selten geworden sind – und gerade deshalb umso aufmerksamer gelesen werden. Ein neues Medikament aus den USA sorgt derzeit für vorsichtigen Optimismus in der Onkologie. Der Wirkstoff Daraxonrasib zeigt in einer großen klinischen Studie eine Wirkung, die viele Fachleute so noch nicht gesehen haben: Er kann…

Foto Online Marketing

Es ist eine dieser Nachrichten, die in der Medizin selten geworden sind – und gerade deshalb umso aufmerksamer gelesen werden.

Ein neues Medikament aus den USA sorgt derzeit für vorsichtigen Optimismus in der Onkologie. Der Wirkstoff Daraxonrasib zeigt in einer großen klinischen Studie eine Wirkung, die viele Fachleute so noch nicht gesehen haben: Er kann die Überlebenszeit von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs nahezu verdoppeln.

Eine Verdopplung – das klingt nüchtern, fast technisch. Doch für Betroffene bedeutet es Zeit. Zeit, die bislang oft fehlte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In der Studie mit rund 460 Erkrankten, die bereits eine Chemotherapie hinter sich hatten, lag die mittlere Überlebenszeit mit dem neuen Medikament bei 13,2 Monaten. Vergleichspatienten, die eine zweite Chemotherapie ohne das Medikament erhielten, kamen im Schnitt auf lediglich 6,7 Monate.

Man könnte sagen: ein medizinischer Quantensprung – oder zumindest ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Besonders bemerkenswert ist dabei der Wirkmechanismus des Medikaments. Daraxonrasib greift gezielt in die Aktivität eines zentralen Gens ein, das als treibende Kraft hinter vielen Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankungen gilt. Statt den Körper breitflächig mit aggressiven Substanzen zu belasten, setzt die Therapie präzise dort an, wo der Tumor entsteht.

Und dann ist da noch ein Detail, das im Klinikalltag fast ebenso entscheidend ist wie die Wirksamkeit: die Verträglichkeit. Schwere Nebenwirkungen, wie sie viele Krebstherapien begleiten, bleiben offenbar aus. Hautreaktionen können auftreten – lästig, ja. Aber im Vergleich zu den Belastungen klassischer Chemotherapien fast schon verkraftbar.

Ein bisschen klingt das alles zu gut, um wahr zu sein. Doch die Ergebnisse stammen aus einer Phase-3-Studie – also genau jener Stufe klinischer Forschung, die als entscheidend für eine spätere Zulassung gilt.

Auch Frankreich spielte dabei eine Rolle. Rund 60 Patientinnen und Patienten nahmen hierzulande an der Untersuchung teil, unter anderem in einem spezialisierten Krebszentrum bei Paris. Die internationale Zusammenarbeit zeigt, wie eng Forschung heute vernetzt ist – und wie dringend Fortschritte in diesem Bereich gebraucht werden.

Denn Bauchspeicheldrüsenkrebs bleibt eine der tödlichsten Krebsarten überhaupt. Jährlich erkranken in Frankreich etwa 16.000 Menschen daran, und etwa die Hälfte überlebt das erste Jahr nicht. Der Grund liegt vor allem in der späten Diagnose: Symptome treten oft erst auf, wenn der Tumor bereits weit fortgeschritten ist.

Klar, Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel sind bekannt. Aber selbst wer gesund lebt, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite. Und genau das macht diese Krankheit so tückisch.

Die Hoffnung richtet sich nun auf die kommenden Monate. In den USA könnte das Medikament schon bald zugelassen werden. In Europa dürfte es länger dauern – ein Jahr, vielleicht zwei. Für viele Betroffene fühlt sich das wie eine Ewigkeit an.

Und doch: Es bewegt sich etwas. Endlich.

Von C. Hatty

Ende des Artikels