Bukarest – 19.08.2026: Gefällte Stämme, kahle Hänge, Lastwagen auf Waldwegen: Eine aktuelle Recherche von Franceinfo beschreibt mutmaßlich illegale Abholzungen in Rumänien und ein Handelssystem, das Holz bis nach Frankreich liefert. Tausende Hektar Wald seien entgegen geltendem Recht abgeholzt worden, berichtet der Sender. Die Vorwürfe betreffen einen Wirtschaftszweig, dessen Lieferketten über mehrere Länder und Verarbeitungsstufen reichen.
Rumänien besitzt in den Karpaten bedeutende alte Waldgebiete, darunter ökologisch wertvolle Lebensräume mit besonderem Schutzstatus. Die Europäische Kommission leitete bereits 2020 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das Land ein. Anlass waren mögliche Verstöße gegen europäisches Umweltrecht bei der Waldbewirtschaftung sowie Schäden in Natura-2000-Gebieten. Das Verfahren betrifft die staatliche Umsetzung des EU-Rechts; eine strafrechtliche Feststellung gegen einzelne Personen oder Unternehmen ist damit nicht verbunden.
Franceinfo zeichnet nun eine Lieferkette nach, die bis zu Möbeln und anderen Holzprodukten in französischen Haushalten reichen soll. Daraus folgt allerdings nicht, dass Holz aus Rumänien generell problematisch wäre. Große Mengen werden legal und nach forstwirtschaftlichen Vorgaben eingeschlagen. Auch lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten, dass ein bestimmtes, in Frankreich verkauftes Produkt aus rechtswidrig gefällten Bäumen gefertigt wurde.
Unternehmen, die Holz oder Holzerzeugnisse erstmals auf den EU-Markt bringen, unterliegen Prüfpflichten. Nach der EU-Holzverordnung müssen sie Angaben zur Herkunft und zu ihren Lieferanten einholen, die Rechtmäßigkeit des Einschlags bewerten und bei erkennbaren Risiken zusätzliche Nachweise verlangen. Verhindert werden soll, dass illegal gewonnenes Holz über Sägewerke, Zwischenhändler und Hersteller seine erkennbare Vorgeschichte verliert.
Illegale Abholzung hat ökologische und wirtschaftliche Folgen. Geschützte Lebensräume können dauerhaft geschädigt werden; zugleich geraten rechtmäßig arbeitende Forstbetriebe unter Preisdruck, wenn andere Anbieter Regeln umgehen. Der Europäische Rechnungshof hatte bei einer Prüfung der EU-Forstpolitik ebenfalls auf Mängel bei der Überwachung und auf Probleme in rumänischen Schutzgebieten hingewiesen.
Der in der Recherche verwendete Ausdruck "Holzmafia" ist kein juristischer Begriff. Gemeint sind mutmaßlich organisierte, gewinnorientierte Strukturen rund um unrechtmäßige Holzentnahme, manipulierte Dokumente oder unzureichende Kontrollen. Ob konkrete Straftaten vorliegen, müssen rumänische Ermittlungs- und Justizbehörden klären. Franceinfo nennt in der vorliegenden Darstellung keine Beschuldigten oder einzelnen Strafverfahren.
Für Käufer bleibt die Herkunft meist schwer nachvollziehbar, weil das Rohmaterial mehrere Stationen durchläuft. Vom 30.12.2026 an soll die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte für große und mittlere Unternehmen gelten; für kleinere Marktteilnehmer ist der 30.06.2027 vorgesehen. Erfasste Waren wie Holz müssen dann genauer bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden können.
Quellen
- Franceinfo
- Europäische Kommission
- Europäischer Rechnungshof
- EUR-Lex
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).