Kultur

Jeanne Cherhal und die heitere Selbstermächtigung des Magic Wand

Eine Sommerchronik von Franceinfo widmet sich Jeanne Cherhals Song Hitachi Magic Wand. Das Stück verbindet frivole Komik und musikalische Grandezza mit einem unbefangenen Blick auf weibliche Lust.

Paris – 14.08.2026: Jeanne Cherhals Lied Hitachi Magic Wand ist kein diskreter Eintrag im Kabinett der französischen Chanson-Exzentrik, sondern eine fröhlich entschlossene Zumutung. Franceinfo hat das Stück am 13. August in einer Sommerchronik über neue weibliche Stimmen aufgegriffen. Der Song behandelt ein Sexspielzeug mit dem Ernst einer mittelalterlichen Insignie und dem Witz eines eingängigen Refrains.

Der Titel findet sich auf Cherhals im April 2025 erschienenem Album Jeanne. Die Sängerin, Pianistin und Songwriterin aus Nantes verbindet seit Langem präzise Alltagsbeobachtungen und literarische Bilder mit einem Humor, der sich nicht hinter Ironie verschanzt. Das Album entstand in Zusammenarbeit mit Benjamin Biolay, der die Stücke produzierte und arrangierte. Seine opulente Handschrift gibt Cherhals Klavierspiel eine größere Bühne, ohne dessen Klarheit zu überdecken.

Hitachi Magic Wand verlässt bewusst die gepflegte Sphäre des Klavierchansons. Musikalisch setzt Cherhal auf einen barock anmutenden Rockgestus; ihre Stimme besingt das Objekt der Begierde ebenso feierlich wie schelmisch. Der ursprünglich als Massagegerät vermarktete Hitachi Magic Wand gilt seit Jahrzehnten als bekanntes erotisches Hilfsmittel. Cherhal macht daraus weder ein Skandalobjekt noch eine pädagogische Lektion, sondern ein poetisches Zepter der Selbstbestimmung.

Gerade diese Tonlage trägt das Lied. Weibliche Sexualität erscheint weder als Geständnis oder Provokation noch als Ware, sondern als Teil eines eigenwilligen, körperlich wachen Lebens. Cherhal schreibt über Verlangen mit einer Leichtigkeit, die das französische Chanson gern für sich beansprucht, Frauen jedoch lange nur unter Vorbehalt zugestand. Die Komik des Stücks nimmt dem Gegenstand nichts von seinem Ernst. Sie schafft einen Raum, in dem Scham ihren gesellschaftlichen Zugriff verliert.

Das Lied steht zugleich in einer längeren Linie ihres Werks. Cherhal hat über Menstruation, Zustimmung, sexuelle Belästigung, psychische Erschöpfung und die Wechseljahre geschrieben. Ihre Texte suchen selten die Parole. Sie bleiben konkret, gelegentlich derb, häufig zärtlich und stets an eine musikalische Form gebunden. Dass die Sängerin solche Themen nicht mit demonstrativer Schwere belädt, gehört zu ihrer Haltung: Der Körper darf widersprüchlich, verletzlich, komisch und lustvoll sein.

Die Franceinfo-Reihe stellt Cherhal in den Zusammenhang einer jüngeren französischen Chansonszene, in der Künstlerinnen Erfahrungen benennen, die lange umschrieben oder verschwiegen wurden. Bei Cherhal wird daraus keine lineare Fortschrittserzählung. Ihre Figur des Magic Wand lebt von einem älteren Kunstgriff des Chansons: Das Private wird öffentlich, indem Übertreibung und Melodie ihm eine spielerische Form geben. So bleibt am Ende kein programmatisches Manifest, sondern ein kunstvoll arrangiertes Lied über Lust, Sprache und die Freiheit, beides ohne Entschuldigung miteinander zu verbinden.

Quellen

  • Franceinfo
  • Radio France
  • Le Monde
  • Apple Music

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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