Paris – 03.10.2026: Jérôme Clément, eine der prägenden Figuren des französischen Kulturfernsehens, warnt vor der Vorherrschaft ökonomischer Kriterien im Kulturbetrieb. In der Sendung "Avec Judith" sagte der frühere Arte-Präsident, er lehne eine Denkweise ab, die Geld zum obersten Maßstab erhebe. Für die Kultur gelte inzwischen "Alarmstufe Rot".
Clément spricht aus jahrzehntelanger Erfahrung in Kulturpolitik und öffentlich getragenen Medien. Von 1984 bis 1989 leitete er das Centre national du cinéma et de l'image animée, die zentrale französische Institution für Filmförderung. Danach übernahm er die Leitung von La Sept, aus der auf französischer Seite Arte hervorging. Den deutsch-französischen Kulturkanal prägte er über viele Jahre als Präsident von Arte und Arte France.
Seine Kritik gilt einem Kulturbetrieb, in dem Reichweite, Verkaufswert und kurzfristige Rentabilität immer stärker über Programme und Förderung entscheiden. Wirtschaftliche Kennzahlen lassen sich im Mediengeschäft zwar nicht ausblenden. Nach Cléments Verständnis dürfen sie jedoch nicht bestimmen, welche Geschichten erzählt, welche Filme finanziert und welche Stimmen gehört werden. Kultur ist für ihn kein Luxus, den sich eine Gesellschaft allein in wirtschaftlich günstigen Jahren leistet.
Arte wurde bewusst als Gegenmodell zu dieser Logik geschaffen: öffentlich finanziert, europäisch ausgerichtet und offen für Filme, Dokumentationen, Debatten und Konzerte, die sich dem schnellen Quotenerfolg entziehen. Der Sender nahm am 30. Mai 1992 den Betrieb auf. Clément gehörte zu den Architekten eines Projekts, das kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich ermöglichen und zugleich Raum für ästhetische Wagnisse schaffen sollte.
Die Warnung des früheren Kulturmanagers reicht über das Fernsehen hinaus. Wenn Bibliotheken, Kinos, Theater, Museen und unabhängige Produktionshäuser ihre Arbeit fortwährend mit unmittelbarem wirtschaftlichem Nutzen rechtfertigen müssten, verenge sich das kulturelle Angebot. Zuerst verschwänden meist jene stillen, schwierigen oder überraschenden Arbeiten, die kein großes Publikum versprechen, für eine lebendige Öffentlichkeit aber unverzichtbar sein können.
Unter dem Titel "Culture: alerte rouge" hat Clément seine Diagnose auch in Buchform vorgelegt. Darin befasst er sich mit Gefahren für das geistige und künstlerische Leben sowie mit dem Rückzug öffentlicher Verantwortung. Seine Position ist kein Plädoyer gegen solide Finanzierung: Kulturelle Freiheit benötigt Geld, soll sich nach seiner Auffassung aber nicht dessen Logik unterwerfen.
Im Gespräch mit Judith Grimaldi verteidigt Clément deshalb eine konkrete kulturelle Infrastruktur. Dazu gehören verlässliche Förderung, redaktionelle Unabhängigkeit und ausreichend Zeit für Werke, deren Wert sich weder an der Einschaltquote noch in einer Bilanz ablesen lässt.
Quellen
- France 24 – Avec Judith
- Centre national du cinéma et de l'image animée
- Arte Corporate
- ATTAC Marseille
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).