Aktuell · 21.07.2026 21:30
Jubillar-Verfahren: Berufungsprozess nach neuer Aussage auf 2027 verschoben
Nach einer neuen Darstellung von Cédric Jubillar zum Tod seiner Ehefrau Delphine Aussaguel hat das Berufungsgericht in Toulouse den für September geplanten Prozess verschoben. Die Ermittlungen sollen fortgesetzt werden.
Toulouse – 21.07.2026: Der Berufungsprozess gegen Cédric Jubillar im Fall seiner Ehefrau Delphine Aussaguel wird nicht wie vorgesehen im September beginnen. Das Berufungsgericht von Toulouse verschob die Verhandlung am Dienstag auf das erste Halbjahr 2027. Grund sind weitere Ermittlungen, die nach jüngsten Angaben des Angeklagten notwendig geworden sind.
Jubillar hatte nach Angaben seiner Verteidiger Anfang Juli erstmals erklärt, für den Tod seiner Frau verantwortlich zu sein. In einer anschließenden Befragung durch Ermittler schilderte er demnach einen Streit in der gemeinsamen Wohnung in Cagnac-les-Mines im Tarn in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 2020. Seine Aussagen werden nun von den zuständigen Stellen überprüft.
Nach dem am Dienstag bekannt gewordenen Inhalt dieser Darstellung sagte Jubillar, er habe seine Ehefrau während des Streits am Hals gepackt und zugedrückt, weil er sie zum Schweigen bringen wollte. Diese Schilderung ist Teil seiner Aussage gegenüber der Justiz. Sie ersetzt weder die kriminaltechnische Prüfung noch die gerichtliche Würdigung der Tatabläufe.
Der Fall hatte Frankreich über Jahre beschäftigt. Delphine Aussaguel, Mutter zweier Kinder und Krankenpflegerin, war im Dezember 2020 verschwunden. Cédric Jubillar war in erster Instanz wegen Mordes an seiner Ehefrau verurteilt worden und hatte Berufung eingelegt. Über die Berufung ist damit weiterhin nicht entschieden.
Nach den jüngsten Angaben führte Jubillar die Ermittler auch zu einem Ort außerhalb des früheren Wohnorts des Paares. Dort wurden menschliche Überreste gefunden, die nach Medienberichten Delphine Aussaguel zugeordnet werden. Die Ermittlungen sollen klären, was sich aus den Spuren, den forensischen Untersuchungen und den neuen Aussagen belastbar ableiten lässt.
Die Vorsitzende des zuständigen Schwurgerichts begründete die Verlegung damit, dass noch erforderliche Maßnahmen Zeit bräuchten und das kontradiktorische Verfahren gewahrt werden müsse. Der ursprünglich für den 21. September 2026 angesetzte Berufungsprozess kann daher nicht stattfinden. Ein genauer neuer Termin wurde zunächst nicht genannt.
Für die Angehörigen, besonders für die Kinder des Paares, verlängert sich damit ein Verfahren, das seit fast sechs Jahren ihr Leben bestimmt. Die neue Aussage hat den Fall verändert, doch sie beendet ihn nicht. Erst die weiteren Ermittlungen und die Verhandlung vor Gericht werden zeigen, welche Teile der Darstellung sich bestätigen lassen und welche rechtlichen Folgen daraus erwachsen.
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Boursorama
- Cour d'appel de Toulouse