Politik & Gesellschaft

Jugendlicher verliert nach Polizeieinsatz in Tours Sehkraft auf einem Auge

Ein 16-Jähriger hat nach einer Verletzung bei einer Schulblockade in Tours die Sehkraft auf dem rechten Auge verloren. Die Polizeiaufsicht IGPN untersucht, ob ein Geschoss aus einem LBD-Werfer den Schüler traf.

Tours – 03.10.2026: Ein 16 Jahre alter Jugendlicher hat nach einer schweren Verletzung bei einer Blockade vor dem Lycée Balzac in Tours die Sehkraft auf dem rechten Auge verloren. Das teilte die Staatsanwältin von Tours, Catherine Sorita-Minard, am Freitag, 2. Oktober, mit. Der Schüler werde weiterhin im Krankenhaus behandelt.

Der Jugendliche war am Morgen des 30. September im Umfeld der Schulblockade am Kopf verletzt worden. Zunächst blieb nach Angaben der Staatsanwaltschaft unklar, wodurch die Verletzung verursacht worden war. Nach rechtsmedizinischen Untersuchungen erklärte Sorita-Minard, die am Auge festgestellten Schäden seien mit dem Treffer eines Geschosses aus einem sogenannten LBD-Werfer vereinbar. Damit ist die Ursache jedoch noch nicht abschließend geklärt. Solche Distanzwaffen verschießen Hartgummigeschosse und werden von französischen Sicherheitskräften bei Einsätzen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verwendet.

Die Staatsanwaltschaft beauftragte die Inspection générale de la Police nationale, die interne Ermittlungsbehörde der Nationalpolizei, mit der Untersuchung. Die IGPN hörte den Jugendlichen am Freitag im Krankenhaus an. Sie soll den Ablauf des Einsatzes, die verwendeten Einsatzmittel und die Umstände der Verletzung rekonstruieren. Ob und von wem in der fraglichen Situation ein LBD-Werfer eingesetzt wurde, ist bislang nicht öffentlich geklärt. Angaben zu möglichen Verantwortlichen liegen ebenfalls nicht vor.

Nach Darstellung der Präfektur Indre-et-Loire waren Polizei und Feuerwehr am Mittwoch in der Nähe des Gymnasiums im Einsatz, um mehrere Brände zu löschen. Die Einsatzkräfte seien dabei mit Gegenständen beworfen worden. Der verletzte Jugendliche wurde noch während des Einsatzes versorgt und anschließend in die Notaufnahme des Universitätsklinikums von Tours gebracht.

Videos und Berichte über den verletzten Schüler verbreiteten sich rasch in sozialen Netzwerken. Für die Ermittler können solche Aufnahmen Hinweise auf den Ablauf liefern, ersetzen jedoch keine gesicherte Rekonstruktion. Von Bedeutung sind insbesondere die medizinischen Befunde, Aussagen von Zeugen und Einsatzkräften sowie verfügbare Bildaufnahmen und Einsatzprotokolle. Auch die Position des Jugendlichen und möglicher Schützen zum Zeitpunkt der Verletzung dürfte geprüft werden.

Nach weiteren Verletzungen junger Menschen bei Schulblockaden waren auch andernorts Untersuchungen angekündigt worden. Das Verfahren in Tours betrifft einen Minderjährigen, eine dauerhafte schwere Augenverletzung und einen Polizeieinsatz, dessen genauer Verlauf noch Gegenstand der Ermittlungen ist. Über den weiteren Gesundheitszustand des Jugendlichen machte die Staatsanwaltschaft keine näheren Angaben. Bestätigt ist bislang, dass er die Sehkraft auf seinem rechten Auge verloren hat.

Quellen

  • Franceinfo
  • TF1 Info mit Agence France-Presse
  • Le Parisien mit Agence France-Presse

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).