Paris – 06.09.2026: Bei einem Teil der jungen Paare in Frankreich gewinnt die Hochzeit wieder an Anziehungskraft. Eine am 5. September veröffentlichte Reportage von Franceinfo beschreibt den Wunsch nach einer bewusst gestalteten Feier und einer formellen Bindung. Befragte verbinden die Eheschließung mit Kindheitsträumen, familiärer Kontinuität und dem Bedürfnis, ihre Partnerschaft öffentlich zu bekräftigen.
Eine Rückkehr zum Heiratsmuster früherer Generationen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Nach den jüngsten Daten des französischen Statistikamts Insee lag das durchschnittliche Heiratsalter 2025 bei verschiedengeschlechtlichen Paaren für Frauen bei 37,5 Jahren; Männer waren im Mittel noch älter. Die Eheschließung folgt damit häufig erst auf Ausbildung, Berufseinstieg, gemeinsames Wohnen oder die Geburt von Kindern.
Die Zahl der Ehen hat sich nach den Einschränkungen während der Corona-Pandemie erholt. Für 2025 verzeichnete Insee 251.000 Eheschließungen, darunter rund 7.000 zwischen Menschen gleichen Geschlechts. Im Jahr 2024 waren nach endgültigen Angaben 247.000 Ehen geschlossen worden. Damit liegt die Zahl wieder deutlich über dem Ausnahmejahr 2020, als Kontaktbeschränkungen viele Paare zur Absage oder Verschiebung ihrer Feier zwangen.
Zugleich hat sich der institutionelle Stellenwert der Ehe verändert. Der zivile Solidaritätspakt Pacs bietet Paaren seit 1999 eine rechtlich geregelte Alternative; auch nichteheliche Lebensgemeinschaften sind gesellschaftlich fest verankert. Nach Angaben von Insee wurden 2024 rund 60 Prozent der Kinder außerhalb einer Ehe geboren. Heiraten ist somit weder Voraussetzung für die Familiengründung noch für die soziale Anerkennung einer Partnerschaft.
Die neue Aufmerksamkeit für Hochzeiten spricht deshalb eher für eine bewusste Wahl als für die Wiederkehr einer gesellschaftlichen Pflicht. Die Feier bringt Familie und Freundeskreis zusammen, markiert einen biografischen Einschnitt und lässt sich nach persönlichen Vorstellungen gestalten. Dazu passen aufwendig geplante Zeremonien und ein wachsendes Angebot spezialisierter Dienstleistungen. Aus dem Rechtsakt wird stärker ein individuelles Ereignis, dessen Inszenierung für manche Paare ebenso wichtig ist wie die formelle Bindung.
Auch die öffentliche Wahrnehmung hat sich verschoben. Wo die Ehe früher oft den Beginn eines gemeinsamen Haushalts markierte, besiegelt sie heute vielfach eine bereits lange bestehende Lebensgemeinschaft. Paare können zwischen Ehe, Pacs und einem Zusammenleben ohne formellen Vertrag wählen. Die Hochzeit steht damit in Konkurrenz zu anderen anerkannten Lebensformen und erhält gerade aus dieser Freiwilligkeit neue Attraktivität.
Die langfristige Entwicklung bleibt dennoch von späteren Eheschließungen geprägt. 1996 heirateten Frauen in verschiedengeschlechtlichen Partnerschaften im Durchschnitt mit rund 30 Jahren, Männer mit etwa 32 Jahren. Heute liegen beide Werte deutlich höher. Das Interesse jüngerer Paare verändert daher vorerst vor allem die kulturelle Wahrnehmung der Hochzeit; Frankreichs Partnerschaften werden weiterhin vielfältig und meist erst spät formalisiert.
Quellen
- Franceinfo
- Institut national de la statistique et des études économiques
- Institut national d'études démographiques
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).