Aktuell · 09.07.2026 09:25
Kalfon attackiert Le Pen: „Der RN ist eine Familienangelegenheit der Le Pen“
Der sozialistische Europaabgeordnete François Kalfon wirft dem Rassemblement National vor, die Macht bei der Familie Le Pen zu konzentrieren, und fordert eine informierte Entscheidung der Wählerinnen und Wähler über eine erneute Kandidatur trotz Verurteilung.
Paris – 09.07.2026: Der Europaabgeordnete François Kalfon (PS/Place publique) hat in der Morgensendung „La Matinale“ von Franceinfo die Führungsstruktur des Rassemblement National (RN) scharf kritisiert. Der RN sei „eine Familienangelegenheit der Le Pen“, sagte Kalfon und unterstellte der Partei, die internen Schlüsselpositionen so zu ordnen, dass ein tatsächlicher Generationswechsel zugunsten von Jordan Bardella ausbleibe. Die „Schlüssel des Lastwagens“ habe die Familie Le Pen behalten, formulierte er sinngemäß.
Kalfon knüpfte seine Kritik an die Frage, unter welchen Bedingungen Marine Le Pen 2027 erneut kandidieren könnte. Die Französinnen und Franzosen müssten „in Kenntnis der Sachlage“ entscheiden, sagte er mit Blick auf juristische Verfahren und eine Verurteilung in zweiter Instanz. Einzelheiten zu den laufenden Rechtswegen blieben in der Sendung zwar unerwähnt, Kalfon betonte jedoch, politische Verantwortung und persönliche Bilanz seien für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur gleichermaßen maßgeblich. Zur Zuspitzung griff er zu einer drastischen Metapher und erklärte, Le Pen habe „einen Ochsen und sogar eine Herde von Ochsen gestohlen“.
Die Intervention fällt in eine Phase, in der Parteien ihre Strategien für das Rennen um den Élysée 2027 ausloten. Im RN gilt Jordan Bardella als prägende Figur der jüngeren Generation und wurde in den vergangenen Jahren als potenzieller Kandidat gehandelt. Offiziell hatte die Parteiführung zugleich immer wieder die zentrale Rolle Marine Le Pens betont. Kalfons Vorstoß zielt erkennbar darauf, in linken und republikanischen Lagern Mobilisierungseffekte zu erzeugen und die öffentliche Debatte auf Fragen von Integrität, innerparteilicher Machtverteilung und Programmklarheit zu lenken.
Aus Sicht politischer Beobachter steht für den RN nicht nur die Personalfrage im Raum, sondern auch die Linie gegenüber Europa- und Wirtschaftspolitik sowie die Positionierung zu Rechtsstaat und Institutionen. Für die Sozialisten und verbündete Kräfte wie Place publique eröffnet die Auseinandersetzung die Möglichkeit, Konturen für eine eigene Präsidentschaftsstrategie zu schärfen und Bruchlinien im rechten Lager zu betonen. Ob sich daraus kurzfristig Verschiebungen im Bewerberfeld ergeben, ist offen; formelle Nominierungen werden traditionell erst näher am Wahljahr getroffen.
Franceinfo dokumentierte das Interview am 9. Juli 2026. Mit Blick auf die anstehende Phase der Kandidatenkür rechnet die Pariser Polit-Szene damit, dass Aussagen wie jene Kalfons den Druck auf den RN erhöhen, Transparenz über Zuständigkeiten, Entscheidungswege und die Rolle der Parteifamilie zu schaffen. Gleichzeitig dürfte die Diskussion darüber, wer das Ticket der Rechtspopulisten 2027 führt, in den kommenden Wochen weiter an Fahrt gewinnen.
Quellen
- Franceinfo – La Matinale (09.07.2026)