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„Kein Cent weniger“: Warum Frauenrechtsorganisationen vor Kürzungen im Kampf gegen Gewalt warnen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. 3,6 Milliarden Euro – so hoch belaufen sich jährlich die gesellschaftlichen Kosten von Gewalt gegen Frauen in Frankreich. Arztbesuche, psychologische Betreuung, Arbeitsausfälle, soziale Folgen. Ein riesiges Loch im Budget – und ein noch viel tieferes im Leben der Betroffenen. Doch jetzt droht den Hilfsstrukturen selbst eine Mittelkürzung. Mehrere Frauenrechtsverbände,…

Illustration Pixabay

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

3,6 Milliarden Euro – so hoch belaufen sich jährlich die gesellschaftlichen Kosten von Gewalt gegen Frauen in Frankreich. Arztbesuche, psychologische Betreuung, Arbeitsausfälle, soziale Folgen. Ein riesiges Loch im Budget – und ein noch viel tieferes im Leben der Betroffenen.

Doch jetzt droht den Hilfsstrukturen selbst eine Mittelkürzung.

Mehrere Frauenrechtsverbände, darunter Fondation des Femmes, Solidarité Femmes, Planning Familial, Femmes Solidaires und die FNCIDFF, haben Premierminister François Bayrou einen dringenden Appell geschickt. Ihr Ziel: Die Haushaltsmittel zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sollen „sanctuarisiert“ werden – also unantastbar bleiben.

Denn in Paris wird gerechnet, gestrichen, umgeschichtet.

Am 15. Juli will die Regierung Sparpläne vorlegen, um den Staatshaushalt 2026 zu verschlanken. In Zeiten leerer Staatskassen geraten schnell auch Mittel ins Visier, die nicht als „produktiv“ gelten. Aber wann, fragt sich Anne-Cécile Mailfert, Präsidentin der Fondation des Femmes, will man endlich begreifen, dass jeder gekürzte Euro Frauenleben gefährdet?

Seit 2020 sind die Mittel für den Haushaltspunkt „Gleichstellung von Frauen und Männern“ zwar von 36 auf 101 Millionen Euro gestiegen. Ein Fortschritt – doch bei weitem immer noch nicht genug, betonen die Organisationen.

Die Realität: Viele Beratungsstellen, Notrufleitungen oder juristische Unterstützungsprojekte mussten ihre Angebote bereits kürzen. Einige erhielten 10 bis 20 Prozent weniger Zuschüsse. Manche sogar gar keine mehr. Für kleinere Vereine kann das das Aus bedeuten.

Mailfert bringt es auf den Punkt: „Die Bedürfnisse wachsen, seit #MeToo mehr denn je. Aber die Finanzierungen steigen nicht im gleichen Takt.“

So habe der gesellschaftliche Aufschrei zwar dazu geführt, dass mehr Betroffene sich Hilfe suchen – doch ohne ausreichende Mittel können Beratungsstellen diese Welle kaum stemmen. Eine gefährliche Schieflage.

Die Kommission für Finanzen im französischen Senat fordert deshalb: Der Service des droits des femmes et de l'égalité (SDFE) – also der staatliche Dienst für Frauenrechte und Gleichstellung – müsse strukturell gestärkt werden, um die Wirkung der Maßnahmen besser bewerten und steuern zu können.

Denn was nützt ein Budgetposten auf dem Papier, wenn seine Umsetzung in der Praxis verpufft?

Die Frauenrechtsorganisationen fordern klare politische Entscheidungen.

Für sie ist die Sache simpel: Gewaltprävention, Schutz und Begleitung von Opfern sind keine optionalen Sozialprojekte, sondern staatliche Pflichtaufgaben. Ohne stabile Finanzierung brechen wichtige Glieder der Schutzkette weg.

Und das kann tödlich enden.

Wer einmal die Geschichten von Frauen gehört hat, die in Frauenhäusern Schutz finden, die nach jahrelanger Gewalt mit leeren Händen und schwerem Herzen in Beratungsstellen stehen, der versteht: Hier geht es nicht um Zahlen. Es geht um Leben.

Was ist eine Gesellschaft wert, die bei der Sicherheit ihrer Frauen spart?

In den kommenden Wochen wird die Regierung zeigen müssen, wie ernst sie ihr eigenes Versprechen nimmt: Null Toleranz gegenüber Gewalt. Dafür braucht es mehr als politische Bekenntnisse. Es braucht finanzielle Sicherheit – und zwar langfristig.

Nur dann werden Notrufnummern nicht nur klingeln, sondern auch beantwortet.

Von C. Hatty

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