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„Kein Geld, kein Gewissen“: Vater und Sohn prellen 40 Restaurants in Toulon

In Toulon ist ein unglaublicher Fall von systematischem Betrug ans Licht gekommen – fast schon filmreif, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Ein Vater und sein 17-jähriger Sohn wurden festgenommen, nachdem sie über drei Jahre hinweg rund 40 Restaurants besucht hatten – gekommen immer mit leerem Geldbeutel, aber gegangen mit vollem Magen. Die Masche? Einfach, dreist…

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In Toulon ist ein unglaublicher Fall von systematischem Betrug ans Licht gekommen – fast schon filmreif, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Ein Vater und sein 17-jähriger Sohn wurden festgenommen, nachdem sie über drei Jahre hinweg rund 40 Restaurants besucht hatten – gekommen immer mit leerem Geldbeutel, aber gegangen mit vollem Magen. Die Masche? Einfach, dreist und effektiv.

Der Trick mit der kaputten Karte

Das Duo wählte stets die gleiche Taktik: Nach dem Essen – oft ohne jede Scheu – gaben sie vor, dass ihre Kreditkarte „leider“ gerade nicht funktioniere. Als „Sicherheit“ ließen sie ein offizielles Ausweisdokument zurück, verbunden mit dem Versprechen, Bargeld zu holen und bald zurückzukehren. Was nie geschah. Stattdessen meldeten sie die Dokumente später als verloren oder gestohlen – und besorgten sich neue.

Eine Masche, die nicht nur dreist klingt, sondern auch ziemlich kaltblütig durchgezogen wurde.

Délit de filouterie – ein unterschätztes Delikt

In Frankreich wird dieses Verhalten als „Délit de filouterie“ eingestuft – was übersetzt so viel wie „Gaunerei“ oder „Zechen ohne Zahlen“ bedeutet. Klingt harmloser, als es ist. Denn das Gesetz sieht dafür bis zu sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von bis zu 7.500 Euro vor. Obendrauf kommt in solchen Fällen oft noch die Verpflichtung, den angerichteten Schaden vollständig zu ersetzen.

Und das dürfte im Fall des Vater-Sohn-Gespanns ein teures Nachspiel haben: Der Gesamtschaden beläuft sich laut Polizei auf rund 3.000 Euro. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass es sich dabei um Essen handelte, das nicht bezahlt wurde.

Ein schmaler Grat zwischen Not und Berechnung

Natürlich stellt sich die Frage: Warum machen zwei Menschen so etwas? Not, Gier oder vielleicht eine Mischung aus beidem? Während der Sohn – gerade einmal 17 Jahre alt – sich nun vor einem Jugendrichter verantworten muss, bleibt der Vater weiterhin in Polizeigewahrsam. Dass beide die Taten bereits gestanden haben, macht die Sache juristisch klarer – menschlich aber umso rätselhafter.

Wie groß muss der Vertrauensbruch sein, wenn man mit seinem eigenen Kind auf Betrugsstreifzug geht?

Vertrauen als wertvolles Gut – auch in der Gastronomie

Was bleibt, ist nicht nur ein finanzieller Schaden – sondern auch ein emotionaler. Für Gastronomen ist das Verhältnis zu den Gästen oft von gegenseitigem Vertrauen geprägt. In vielen Restaurants wird kulant mit kleinen Missgeschicken umgegangen – wenn etwa jemand wirklich mal seine Brieftasche vergessen hat. Solche Geschichten wie aus Toulon zerstören dieses Vertrauensverhältnis – und lassen bei vielen Wirten das Bauchgefühl zurück: Lieber einmal zu misstrauisch sein, als ein weiteres Mal hereinzufallen.

Und das ist schade – denn Gastfreundschaft lebt vom Miteinander, nicht vom Misstrauen.

Die Gastronomie unter Druck

In wirtschaftlich angespannten Zeiten – die Pandemie, steigende Einkaufspreise, Personalmangel – ist die Gastronomie ohnehin auf Kante genäht. Jedes unbezahlte Essen bedeutet bares Geld, das fehlt. Wenn das dann auch noch geplant und wiederholt geschieht, kann es für kleinere Betriebe sogar existenzbedrohend werden.

Ein unbezahltes Essen hier, ein verschwundener Gast dort – über Monate hinweg summiert sich das schnell zu einem echten Problem.

Was muss sich ändern?

Viele Restaurantbesitzer fordern inzwischen bessere Möglichkeiten, Betrügereien zu melden – und schnell zu handeln, wenn jemand „vergisst“ zu zahlen. Doch wie schützt man sich, ohne jeden Gast unter Generalverdacht zu stellen?

Digitale Lösungen, etwa Vorab-Zahlungen bei Online-Reservierungen, könnten helfen – aber sie widersprechen dem offenen Geist vieler französischer Bistros. Eine andere Option: Mehr Austausch zwischen den Gastronomen vor Ort, um verdächtige Muster schneller zu erkennen.

Letztlich wird wohl auch die Justiz ein Signal setzen müssen, dass solche wiederholten Täuschungen nicht als Bagatelle abgetan werden.

Und der Junge?

Besonders tragisch: Der 17-Jährige steht noch am Anfang seines Lebens. Was bedeutet es für einen Jugendlichen, in solchen Machenschaften verstrickt zu sein – offenbar unter Anleitung des eigenen Vaters? Es bleibt zu hoffen, dass das Jugendgericht nicht nur Strafe ausspricht, sondern auch eine Perspektive bietet.

Denn Fehler kann man machen. Wichtig ist nur, was danach kommt.

Andreas M. Brucker

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