Paris – 04.10.2026: Die französische Kinderschutzorganisation e-Enfance warnt vor einem starken Anstieg der Meldungen über Gewalt gegen Minderjährige auf Discord. Der von ihr betriebene Beratungsdienst 3018 erhielt zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt 138 Hinweise mit Bezug zu der Kommunikationsplattform. Im gesamten Jahr 2025 waren es nach Angaben der Organisation 44. Die Zahlen erfassen Hilfegesuche und Verdachtsmeldungen, keine gerichtlich festgestellten Straftaten.
E-Enfance hat die Medienaufsicht Arcom eingeschaltet und bei der auf Cyberkriminalität spezialisierten Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Die Organisation berichtet von Fällen, in denen Minderjährige mit Darstellungen extremer Gewalt konfrontiert oder dazu gedrängt worden seien, sexualisierte Aufnahmen anzufertigen. Unter den Hinweisen aus dem ersten Halbjahr seien vier besonders schwere Fälle mit Folter- oder Tötungsszenen gewesen.
Discord wurde ursprünglich vor allem für den Austausch innerhalb von Videospielgemeinschaften entwickelt. Inzwischen umfasst die Plattform zahlreiche offene und geschlossene Gesprächsräume. Nach Darstellung von e-Enfance geben sich Täter dort als Gleichaltrige aus, bauen Vertrauen auf und setzen Minderjährige anschließend unter Druck. Private Nachrichten, Gruppenräume und rasch wechselnde Nutzerkonten können es erschweren, solche Kontakte frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden.
Discord erklärt in seinen Sicherheitsrichtlinien, sexuelle Anbahnung, Erpressung und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger nicht zu dulden. Das Unternehmen gibt an, verdächtige Inhalte und Fälle an zuständige Stellen in den Vereinigten Staaten zu melden und Konten zu sperren. Für die französischen Behörden stellt sich darüber hinaus die Frage, wie schnell gefährdete Jugendliche erreicht und Ermittler mit verwertbaren Daten versorgt werden können.
Frankreich hat seine Strukturen zur Bekämpfung digitaler Gewalt gegen Kinder zuletzt ausgebaut. Das 2023 eingerichtete Office mineurs, eine nationale Polizeistelle für Straftaten gegen Minderjährige, befasst sich unter anderem mit Online-Anbahnung, sexueller Erpressung und der Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen. Hinweise können zudem über die staatliche Meldestelle Pharos und den Beratungsdienst 3018 weitergegeben werden.
Am 5. Oktober 2026 beginnt vor dem Pariser Schwurgericht zudem der Prozess gegen Rohan Rane. E-Enfance will sich daran als Nebenklägerin beteiligen. Nach Angaben der Organisation ist es das erste in Frankreich verhandelte Verfahren mit Bezug zu der digitalen Gruppierung The Com. Deren Akteure sollen Minderjährige über Onlinedienste gezielt zu Gewalt oder sexuellen Handlungen genötigt haben.
Betroffene Minderjährige, Eltern und andere Bezugspersonen können sich an den Beratungsdienst 3018 wenden. Bei akuter Gefahr gelten in Frankreich die Notrufnummern 17 und 112. Die Anzeige von e-Enfance liegt nun bei der Pariser Staatsanwaltschaft.
Quellen
- Franceinfo
- e-Enfance / 3018
- Discord Safety
- Französische Nationalpolizei
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).