Politik & Gesellschaft

Kirchensprecher erklärt systemische Missbrauchskrise für überwunden

Vor dem Treffen von Papst Leo XIV. mit sieben Betroffenen in Lourdes erklärt ein Sprecher der französischen Bischöfe, die Kirche habe die systemische Dimension der Missbrauchskrise hinter sich gelassen. Opfervertreter verlangen konkrete Schritte.

Lourdes – 25.09.2026: Zwei Tage vor dem geplanten Treffen von Papst Leo XIV. mit sieben Betroffenen sexueller Gewalt hat ein Sprecher der französischen Bischöfe erklärt, die katholische Kirche sei aus der systemischen Dimension der Missbrauchskrise herausgetreten. Die Aussage berührt einen zentralen Konflikt der Aufarbeitung: Während die Kirche auf neue Verfahren und Schutzmaßnahmen verweist, verlangen viele Betroffene dauerhafte, unabhängige Strukturen und weitere konkrete Veränderungen.

Das vertrauliche Gespräch soll am Sonntag, 27. September, in Lourdes stattfinden. Die sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen nach Angaben der Bischofskonferenz aus unterschiedlichen kirchlichen Zusammenhängen, darunter katholische Schulen, Gemeinden und Ordensgemeinschaften. Ort, genaue Uhrzeit und Zusammensetzung der Gruppe werden zum Schutz der Betroffenen nicht öffentlich gemacht.

Die Begegnung ist Teil des Frankreichbesuchs von Leo XIV., der am Freitag begonnen hat. Dass sie in Lourdes stattfindet, gibt ihr zusätzliches Gewicht. Dort hatten die französischen Bischöfe im November 2021 nach dem Bericht der Unabhängigen Kommission zu sexuellem Missbrauch in der Kirche erstmals ausdrücklich eine institutionelle Verantwortung und eine systemische Dimension der Gewalt anerkannt.

Der Kommissionsbericht hatte für die Jahre 1950 bis 2020 rund 330.000 Betroffene geschätzt. Erfasst wurden Minderjährige, die sexuelle Gewalt durch Priester, Ordensleute oder Laien mit kirchlichem Auftrag erlebt haben sollen. Die Untersuchung beschrieb zugleich institutionelle Mechanismen, durch die Taten verschwiegen, Täter geschützt und Betroffene über lange Zeit nicht gehört wurden.

Die aktuelle Einschätzung des Kirchensprechers stößt deshalb bei Betroffenen und Unterstützergruppen auf Widerspruch. Kritisiert wird auch, dass einzelne Personen empfangen werden, nicht aber gewählte Vertreter etablierter Opferverbände. Die sieben Eingeladenen haben selbst erklärt, sie sprächen ausschließlich in eigenem Namen und wollten nicht stellvertretend für alle Betroffenen auftreten.

In den vergangenen Jahren richtete die Kirche in Frankreich Verfahren zur Anerkennung und Entschädigung ein. Die Unabhängige nationale Instanz für Anerkennung und Wiedergutmachung teilte in dieser Woche mit, innerhalb von fünf Jahren hätten sich 1.969 Menschen gemeldet, die als Minderjährige in kirchlichen Strukturen missbraucht worden seien. Für viele Betroffene hängt die Glaubwürdigkeit der Aufarbeitung davon ab, wie unabhängig solche Verfahren arbeiten und ob Verantwortlichkeiten offengelegt werden.

Der Historiker Charles Mercier von der Pariser Hochschule École pratique des hautes études verwies auf die Sorge, die Kirche könne das Kapitel vorschnell für abgeschlossen erklären. Alain Esquerre, Sprecher eines Betroffenenkollektivs der Schule Notre-Dame de Bétharram, fordert einen konkreten Plan zur Verhinderung weiterer Taten sowie Zugang zu kirchlichen Archiven.

Quellen

  • Franceinfo
  • Associated Press
  • Vatican News

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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