Paris – 08.09.2026: Das Réseau Action Climat kritisiert Frankreichs Tourismuswerbung für Gäste aus weit entfernten Ländern. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht warnt das Bündnis davor, dass die Ausrichtung auf internationale Fernmärkte die Klimakrise verschärfe. Gemeint sind vor allem Reisen, bei denen An- und Abreise mit dem Flugzeug erfolgen und damit einen erheblichen Teil der tourismusbedingten Emissionen verursachen.
Die wirtschaftliche Bedeutung ausländischer Gäste für Hotels, Gastronomie, Kulturstätten und ganze Regionen stellt der Verband nicht infrage. Er fordert jedoch, öffentliche Strategien zur Förderung des Tourismus enger an den französischen Klimazielen auszurichten. Werbekampagnen sollten demnach nicht vorrangig zusätzliche Flugreisen aus weit entfernten Märkten anstoßen, sondern Aufenthalte fördern, deren Ziele mit emissionsärmeren Verkehrsmitteln erreichbar sind.
Die Kritik richtet sich damit auch gegen die staatlich unterstützte Vermarktung Frankreichs als Reiseziel. Nach Darstellung des Réseau Action Climat entsteht ein Widerspruch, wenn das Land einerseits seine Treibhausgasemissionen senken will, andererseits aber besonders klimaschädliche Anreisen bewirbt. Der Bericht verlangt, die Klimawirkung von Kampagnen sowohl bei Förderprogrammen als auch bei der Erfolgsmessung der Tourismuspolitik verbindlich zu berücksichtigen.
Der Verkehr ist der wichtigste Emissionstreiber im Tourismus. Die französische Umweltagentur ADEME beziffert den Anteil des Sektors an den Treibhausgasemissionen des Landes auf rund elf Prozent. Vor allem die Mobilität der Reisenden fällt dabei ins Gewicht. Ob Urlauber mit Bahn, Auto oder Flugzeug ankommen, prägt die Klimabilanz eines Aufenthalts daher wesentlich stärker als viele Entscheidungen am Reiseziel.
Die Regierung wirbt bereits für klimaverträglichere Reiseformen. Das Wirtschaftsministerium unterstützt im Sommer 2026 eine Kampagne, die Bahnreisen, Fahrgemeinschaften, Radverkehr und zu Fuß erreichbare Angebote hervorhebt. Solche Maßnahmen betreffen jedoch vor allem Reisen innerhalb Frankreichs sowie die Mobilität während des Aufenthalts. Die grundsätzliche Auswahl internationaler Zielmärkte berühren sie kaum.
Das Réseau Action Climat verlangt deshalb eine veränderte Werbestrategie. Touristische Akteure sollten längere Aufenthalte, Bahnverbindungen aus europäischen Nachbarländern und Angebote außerhalb der Hauptsaison stärker hervorheben. Auch öffentliche Zuschüsse für Kampagnen müssten danach bewertet werden, ob sie zusätzliche Emissionen verursachen oder eine Verlagerung auf klimaverträglichere Reisen fördern.
Frankreich gehört zu den weltweit meistbesuchten Reisezielen und ist auf die Einnahmen des internationalen Tourismus angewiesen. Der Bericht stellt deshalb nicht die Branche als solche infrage, sondern die politisch geförderte Form ihres Wachstums. Die ADEME empfiehlt dem Sektor, seine absoluten Emissionen bis 2030 deutlich zu verringern. Als besonders wirksamer Hebel gilt eine klimafreundlichere An- und Abreise.
Quellen
- Franceinfo
- Réseau Action Climat
- Direction générale des Entreprises
- ADEME
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).