Madrid – 29.09.2026: Spaniens Wirtschaft wächst derzeit kräftiger als die vieler europäischer Nachbarn. Nach den jüngsten verfügbaren Daten von Eurostat legte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal stärker zu als im Durchschnitt der Eurozone. Getragen wird die Konjunktur von der Nachfrage im Inland, dem Tourismus und einer anhaltend hohen Beschäftigung.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Nach Angaben des spanischen Statistikamts INE stieg die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal um 486.000 auf 22,779 Millionen. Zugleich wuchs das Arbeitskräfteangebot um 272.700 Personen. Weil mehr Stellen entstanden, als zusätzliche Menschen auf den Arbeitsmarkt kamen, ging die Arbeitslosigkeit zurück. Höhere Beschäftigung und steigende Einkommen stützen wiederum den privaten Konsum.
Eine wichtige Rolle spielt die Zuwanderung. Spanien gewinnt Arbeitskräfte in einem Umfang, den viele alternde europäische Gesellschaften ebenfalls benötigen, politisch jedoch deutlich zurückhaltender behandeln. Zugewanderte arbeiten vor allem in Dienstleistungen, Bauwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus. Zugleich schaffen neue Einwohner zusätzliche Nachfrage nach Wohnungen, Waren und öffentlichen Leistungen. Kurzfristig verstärkt das den Aufschwung, erhöht jedoch auch den Druck auf angespannte Wohnungsmärkte.
Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez verbindet ihre vergleichsweise offene Einwanderungspolitik mit Eingriffen in den Arbeitsmarkt. Mehrere Erhöhungen des Mindestlohns und die Reform des Arbeitsrechts sollten die Einkommen stabilisieren und den hohen Anteil befristeter Beschäftigung verringern. Lohnzuwächse stärken die Kaufkraft allerdings nur, soweit sie nicht durch höhere Lebenshaltungskosten aufgezehrt werden. Vor allem hohe Mieten belasten Haushalte in Madrid, Barcelona und stark besuchten Küstenregionen.
Spaniens Vorsprung beruht zudem auf Faktoren, deren Wirkung nicht unbegrenzt anhalten dürfte. Der internationale Tourismus bringt hohe Einnahmen und schafft viele Arbeitsplätze, bleibt aber anfällig für konjunkturelle Einbrüche und Krisen. Hinzu kommen Investitionen aus dem europäischen Wiederaufbauprogramm NextGenerationEU. Sie fließen unter anderem in Digitalisierung, Energiewende und Infrastruktur. Dadurch ist die Wirtschaft heute breiter aufgestellt als vor der Finanzkrise von 2008, als der Immobiliensektor das Wachstum dominierte.
Der Vergleich mit Frankreich, Deutschland und Italien verlangt dennoch Vorsicht. Ein höheres Wachstum führt nicht automatisch zu einem höheren Einkommensniveau oder geringerer sozialer Ungleichheit. Spanien weist weiterhin eine vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote auf; viele Stellen entstehen zudem in Dienstleistungsbranchen mit geringer Produktivität und saisonalen Schwankungen. Die Beschäftigungszahlen des zweiten Quartals belegen jedoch, dass der gegenwärtige Aufschwung große Teile des Arbeitsmarkts erreicht hat.
Quellen
- Franceinfo
- Instituto Nacional de Estadística
- Eurostat
- Europäische Zentralbank
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).