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Kultur unter Druck: Fast jede zweite Gebietskörperschaft Frankreichs kürzt ihr Kulturbudget

Was wäre ein Land ohne seine Kultur? Ohne Theaterabende, Stadtbibliotheken, Musikschulen, Festivals, Museen und all die stillen Räume, in denen Gedanken fliegen lernen? Doch genau hier schlägt derzeit die Sparkeule zu. Ein aktueller Bericht des Observatoire des politiques culturelles zeigt: Nahezu jede zweite französische Gebietskörperschaft hat ihr Kulturbudget zwischen 2024 und 2025 gekürzt. Fast die…

Foto Erik Mclean

Was wäre ein Land ohne seine Kultur? Ohne Theaterabende, Stadtbibliotheken, Musikschulen, Festivals, Museen und all die stillen Räume, in denen Gedanken fliegen lernen?

Doch genau hier schlägt derzeit die Sparkeule zu.

Ein aktueller Bericht des Observatoire des politiques culturelles zeigt: Nahezu jede zweite französische Gebietskörperschaft hat ihr Kulturbudget zwischen 2024 und 2025 gekürzt. Fast die Hälfte – das ist kein Pappenstiel.

Zwischen März und Juni befragte das Observatorium insgesamt 214 Gebietskörperschaften per Online-Fragebogen. Unter ihnen zwölf Regionen, 74 Departements, 75 Städte mit über 50.000 Einwohnern, 46 interkommunale Zusammenschlüsse und sieben Überseegebiete.

Das Ergebnis dürfte Kulturschaffende, Intendantinnen und lokale Vereine gleichermaßen alarmieren.

Denn 47 Prozent dieser befragten Körperschaften meldeten eine Kürzung ihrer Kulturhaushalte im Vergleich zum Vorjahr. Zum Vergleich: Zwischen 2023 und 2024 waren es lediglich 21 Prozent gewesen. Eine Verdoppelung in nur einem Jahr. Doch wie stark fallen diese Einschnitte tatsächlich aus?

Für 26 Prozent der befragten Einrichtungen liegt die Kürzung zwischen 1 und 9,9 Prozent – Summen, die auf den ersten Blick moderat klingen mögen. Aber: 14 Prozent berichten von Einschnitten zwischen 10 und 20 Prozent. Und bei sieben Prozent liegt die Budgetkürzung sogar jenseits der 20-Prozent-Marke.

Besonders hart trifft es die Departements.

27 von ihnen gaben an, dass ihre Mittel für Kultur zwischen 2024 und 2025 um mehr als zehn Prozent gesunken sind. Das sind Zahlen, die tiefer reichen als reine Buchhaltungstabellen. Denn hinter jedem gestrichenen Euro stehen Projekte, Institutionen, Ensembles oder Initiativen, die ihre Arbeit einschränken, Gebühren erhöhen oder im schlimmsten Fall ihre Türen schließen müssen.

Warum also dieser drastische Sparkurs?

Die Studie nennt keine unmittelbaren Ursachen, doch im Hintergrund stehen steigende Ausgaben für soziale Notlagen, Energie und Personal – bei stagnierenden Einnahmen. Eine bittere Realität, vor allem für die Kommunen, die ohnehin die größten Kulturfinanzierer sind.

Die Metropolen und großen Städte sind noch am ehesten in der Lage, Kürzungen aufzufangen. Doch kleinere Städte und Landkreise geraten zunehmend in die Zwickmühle zwischen Pflichtaufgaben wie Schulen, Straßen oder Sozialhilfe und der freiwilligen Aufgabe Kultur.

Freiwillig?

Ja, Kultur ist rechtlich keine Pflichtaufgabe. Und genau das macht sie so verletzlich.

Was bedeutet diese Entwicklung für Frankreichs kulturelle Landschaft?

Bleibt die Kulturpolitik weiterhin unter Druck, droht ein Dominoeffekt: weniger kulturelle Angebote vor Ort, weniger Teilhabe, weniger gesellschaftlicher Zusammenhalt. Denn Kultur ist weit mehr als nur „schöne Kür“. Sie ist Teil der Daseinsvorsorge, ein Ort des Miteinanders, des Lernens, der Inspiration – gerade in Zeiten sozialer und politischer Spannungen.

Eine Frage drängt sich auf:

Wie viel Kultur können wir uns leisten, und vor allem: Wie viel Kultur wollen wir uns leisten?

Autor: Daniel Ivers

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