Paris – 11.09.2026: Künstliche Intelligenz übernimmt in der Arzneimittel- und Impfstoffforschung zunehmend Aufgaben, für die bislang große Datenmengen über lange Zeit ausgewertet werden mussten. Der französische Pharmakonzern Sanofi setzt solche Systeme von der frühen Forschung über klinische Studien bis zur Produktion ein. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, die Zeit zwischen der Entdeckung eines Wirkstoffs und seiner Bereitstellung für Patientinnen und Patienten zu halbieren.
Im frühen Forschungsstadium sollen Modelle biologische Zusammenhänge schneller erfassen und mögliche Angriffspunkte für neue Therapien erkennen. Sie können außerdem Moleküle nach Eigenschaften wie erwarteter Wirksamkeit, Verträglichkeit oder Herstellbarkeit ordnen. Sanofi zufolge haben die eigenen datenbasierten Systeme innerhalb eines Jahres sieben neue mögliche Wirkstoffziele ermittelt. Das sind zunächst Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen, keine Belege für einen medizinischen Nutzen.
Besonders weit reicht der Einsatz bei klinischen Studien. Algorithmen können helfen, geeignete Prüfzentren auszuwählen, Einschlusskriterien auszuwerten und Personen zu finden, die für eine Studie infrage kommen. Dadurch lässt sich die oft langwierige Rekrutierung gezielter organisieren. Nach eigenen Angaben nutzt Sanofi zudem digitale Modelle, um Studienverläufe sowie die Wahrscheinlichkeit von Wirksamkeits- oder Sicherheitsproblemen besser einzuschätzen.
So können Entwicklungsentscheidungen früher fallen: Ein Projekt mit ungünstigen Aussichten lässt sich möglicherweise vor besonders aufwendigen Studien beenden, während vielversprechende Kandidaten rascher in die nächste Phase gelangen. Laborversuche und Untersuchungen am Menschen bleiben dennoch unverzichtbar. Ob ein Arzneimittel sicher ist und besser wirkt als bestehende Behandlungen, muss weiterhin durch belastbare klinische Daten belegt werden. Auch seltene Nebenwirkungen lassen sich nicht zuverlässig allein aus Modellrechnungen ableiten.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur und die US-Arzneimittelbehörde FDA veröffentlichten im Januar 2026 gemeinsame Grundsätze für den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Entwicklung von Arzneimitteln. Sie verlangen unter anderem verlässliche Daten, nachvollziehbare Verfahren und eine fortlaufende Kontrolle der Ergebnisse über den gesamten Lebenszyklus eines Medikaments. Für eine Zulassung müssen Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit weiterhin nachgewiesen werden; der erwartete Nutzen muss die Risiken überwiegen.
Hinzu kommt der Schutz sensibler Gesundheitsdaten. Die französische Datenschutzbehörde CNIL verweist bei medizinischen KI-Systemen auf Anforderungen an Rechtsgrundlage, Datenminimierung, Speicherfristen und die Bewertung möglicher Folgen für Betroffene. Gerade genetische und klinische Informationen oder Daten aus vernetzten Geräten verlangen strenge Schutzvorkehrungen. Verzerrte oder lückenhafte Datensätze können außerdem dazu führen, dass Modelle bestimmte Patientengruppen schlechter abbilden.
Sanofis Ziel einer halbierten Entwicklungszeit ist eine unternehmerische Ambition, keine bereits erreichte Kennzahl. Nach Angaben des Konzerns dauert die Entwicklung eines neuen Medikaments üblicherweise etwa zehn bis zwölf Jahre; viele Wirkstoffkandidaten scheitern unterwegs. Künstliche Intelligenz kann einzelne Arbeitsschritte verkürzen und Entscheidungen besser vorbereiten. Die medizinische Prüfung eines neuen Wirkstoffs kann sie nicht ersetzen.
Quellen
- Franceinfo
- Sanofi
- Europäische Arzneimittel-Agentur
- Französische Datenschutzbehörde CNIL
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).