À la une

Lachgas im Schnee: Wie Drogenhandel eine Savoyer Skistation erschüttert

Mitten in der glitzernden Winterkulisse der Savoyer Alpen, dort, wo Skitouristen Glühwein trinken und die Abfahrt planen, lief offenbar über Monate ein Geschäft, das wenig mit Pistenspaß zu tun hatte. In der Region um Bourg-Saint-Maurice und in der Skistation Les Arcs 1800 haben Ermittler der französischen Gendarmerie einen umfangreichen Handel mit Distickstoffmonoxid, besser bekannt als…

Les Arcs (Wikipedia)

Mitten in der glitzernden Winterkulisse der Savoyer Alpen, dort, wo Skitouristen Glühwein trinken und die Abfahrt planen, lief offenbar über Monate ein Geschäft, das wenig mit Pistenspaß zu tun hatte. In der Region um Bourg-Saint-Maurice und in der Skistation Les Arcs 1800 haben Ermittler der französischen Gendarmerie einen umfangreichen Handel mit Distickstoffmonoxid, besser bekannt als Lachgas, zerschlagen. Mehr als 6.000 Gasflaschen wurden beschlagnahmt. Ein Fund, der selbst erfahrene Ermittler kurz innehalten ließ.

Der Ausgangspunkt der Affäre liegt unscheinbar in einem Industriegebiet von Bourg-Saint-Maurice. Dort hatten die Täter mehrere Lagerboxen angemietet. 13 Paletten Lachgas, sauber gestapelt, fast industriell organisiert. Der Hinweis kam von den Zollbeamten aus Chambéry, die misstrauisch geworden waren. Was folgte, war eine klassische Ermittlungsarbeit: Beobachtungen, Fahrzeugbewegungen, wiederkehrende Fahrten zwischen Tal und Höhenstation. Keine Hektik, eher das ruhige Zusammensetzen eines Puzzles.

Auffällig war vor allem ein Lastwagen, der in frühen Morgenstunden Ware ablud, sowie mehrere Mietfahrzeuge, die regelmäßig Richtung Arcs 1800 unterwegs waren. Für die Gendarmerie ein klares Signal. Hier ging es nicht um vereinzelten Konsum, sondern um systematischen Verkauf, direkt dort, wo die Nachfrage besonders hoch ist – bei jungen Saisonkräften und feierfreudigen Urlaubern.

Der Zugriff erfolgte beinahe beiläufig. Bei einem Einsatz wegen nächtlicher Ruhestörung stießen Beamte der vor Ort stationierten Einheit auf Flaschen und Konsumenten. Drei Männer wurden festgenommen. Danach ging alles schnell. Durchsuchungen der Fahrzeuge, der Unterkunft, der Lagerboxen. Das Ergebnis sprengte jede Erwartung: exakt 6.325 Flaschen, identisch mit jenen, die zuvor bei Konsumenten sichergestellt worden waren. Dazu Bargeld in Euro und Pfund Sterling. Der geschätzte Marktwert: rund 340.000 Euro. Keine Kleinigkeit, eher ein gut laufendes Nebengeschäft mit professioneller Handschrift.

Die drei Beschuldigten stammen aus Malta. Sie wurden dem Tribunal correctionnel d'Albertville vorgeführt. Statt einer schnellen Verhandlung beantragten sie Zeit zur Vorbereitung ihrer Verteidigung. Das Gericht entsprach dem Antrag, ordnete jedoch Untersuchungshaft bis zur Neuverhandlung im Februar an. Ein nüchterner Beschluss, aber einer mit Signalwirkung.

Der Fall zeigt, wie sehr Lachgas längst aus der Nische herausgewachsen ist. Einst als Party-Gag verharmlost, steht die Substanz heute zunehmend im Fokus der Behörden. Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeit, schwere neurologische Schäden – all das ist dokumentiert. Und trotzdem kursieren die silbernen Kartuschen weiterhin dort, wo gefeiert wird. In Clubs, auf Festivals, nun auch auf Skipisten. Ziemlich schräg, wenn man drüber nachdenkt.

In den Alpen dürfte man nach dieser Aktion genauer hinschauen. Denn wo viel Geld fließt und die Stimmung ausgelassen ist, finden sich immer auch jene, die daraus Profit schlagen wollen. Der Schnee mag weiß sein. Ganz unschuldig ist das Geschäft darunter nicht.

Autor: Daniel Ivers

Ende des Artikels