60 Prozent aller Leberkrebserkrankungen wären vermeidbar. Das zeigt eine neue internationale Studie, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Die Zahlen sind alarmierend – und zugleich ein Hoffnungsschimmer: Mit gezielter Prävention könnten bis 2050 rund 15 Millionen Menschenleben gerettet werden.
Denn Leberkrebs ist auf dem Vormarsch. Bereits heute gehört er zu den tödlichsten Krebsarten weltweit – Platz drei auf der Liste der krebsbedingten Todesursachen. Und dabei wird es nicht bleiben: Innerhalb der nächsten 25 Jahre dürfte sich die Zahl der Erkrankungen verdoppeln.
Doch woran liegt das? Und viel wichtiger: Was lässt sich dagegen tun?
Die unsichtbare Gefahr in unserem Alltag
Die Ursachen für Leberkrebs sind bekannt – und sie liegen oftmals in unserem Alltag. Drei Hauptfaktoren sind laut den Forschenden entscheidend: chronische Virushepatitis, übermäßiger Alkoholkonsum und die sogenannte Fettlebererkrankung, medizinisch „Metabolisch assoziierte Steatosehepatitis“ (MASLD) genannt.
Vor allem Letztere entwickelt sich immer mehr zur Volkskrankheit – auch in Frankreich und Deutschland. Millionen Menschen sind hierzulande bereits betroffen, schätzen Expert:innen. Die stille Erkrankung bleibt oft lange unerkannt, verläuft schleichend – und kann in 2 bis 5 Prozent der Fälle zur Leberzirrhose oder gar zum Krebs führen.
Zucker, Fett, Alkohol – und ein bisschen zu viel Bauch
„Etwa 80 Prozent der stark übergewichtigen Menschen haben eine Fettleber, bei Diabetiker:innen sind es rund 60 Prozent“, erklärt Professor Lawrence Serfaty, Gastroenterologe am Universitätsklinikum in Straßburg. Für ihn steht fest: Die beste Therapie ist Prävention.
Was das konkret heißt?
Mehr Bewegung, weniger Zucker, weniger gesättigte Fette – und vor allem: weniger Alkohol. Klingt einfach, ist es aber nicht. Doch Studien zeigen: Selbst moderate Gewichtsreduktion kann Entzündungen und Fibroseschäden der Leber signifikant lindern.
Ein Plädoyer also für mehr Alltagsvernunft – nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive. Denn die Kosten für spätere Behandlungen und Folgeerkrankungen sind immens.
1,37 Millionen Tote – pro Jahr
Die Prognosen für die kommenden Jahrzehnte sind beunruhigend: Von derzeit rund 760.000 Todesfällen jährlich durch Leberkrebs könnte die Zahl bis 2050 auf 1,37 Millionen steigen. Ein düsteres Szenario – sofern nicht gehandelt wird.
Ein zentraler Hebel liegt laut der Studie in der weltweiten Bekämpfung der Hepatitis-B-Viren. Vor allem in China, wo über 40 Prozent aller Leberkrebsfälle auftreten, ist der Infektionsdruck durch Hepatitis B nach wie vor hoch. Verbesserte Impfprogramme könnten die Mortalität um bis zu drei Prozent senken – ein kleiner, aber entscheidender Schritt.
Warum Leberkrebs so tückisch ist
Leberkrebs gehört zu den besonders aggressiven Krebsarten. Die Überlebensraten sind gering: Nur 5 bis 30 Prozent der Erkrankten überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. „Der Krebs ist schwer zu behandeln, weil er oft erst spät entdeckt wird“, warnt Professor Jian Zhou von der Universität Fudan, einer der Mitautoren der Studie.
Es sei ein weltweites Gesundheitsproblem, das bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt – und das, obwohl die Risiken längst bekannt sind.
Können wir den Trend noch stoppen?
Die rhetorische Frage drängt sich auf: Wenn 60 Prozent der Erkrankungen vermeidbar sind – worauf warten wir noch?
Politik, Gesellschaft, Medizin – alle stehen in der Verantwortung. Es braucht umfassende Aufklärungskampagnen, eine frühzeitige Diagnostik, mehr Gesundheitsbildung in Schulen und konkrete Anreize für gesündere Lebensstile. Es geht nicht um Dogmen oder Verbote, sondern um Chancen – auf ein gesünderes Leben und eine leberfreundlichere Zukunft.
Denn Prävention ist keine lästige Pflicht. Sie ist eine Investition in unsere Gesundheit. Eine, die sich auszahlt – nicht irgendwann, sondern jetzt.
Autor: C.H.