Politik & Gesellschaft

Lecornu beruft nach Datendiebstahl bei der Steuerverwaltung einen Krisenstab ein

Nach dem Abfluss von Steuerdaten zu 678.000 Privatpersonen und Unternehmen will Premierminister Sébastien Lecornu eine interministerielle Krisenzelle leiten. Zugleich soll die Sicherheit der IT-Systeme der Steuerverwaltung umfassend überprüft werden.

Paris – 16.08.2026: Premierminister Sébastien Lecornu will nach dem bekannt gewordenen Datenabfluss bei der französischen Steuerverwaltung DGFiP eine interministerielle Krisenzelle leiten. Nach Angaben der Behörde wurden Informationen zu insgesamt 678.000 Privatpersonen und Unternehmen eingesehen und kopiert. Lecornu kündigte zudem eine umfassende Prüfung der Absicherung der IT-Systeme der Generaldirektion für öffentliche Finanzen an.

Die DGFiP hatte am 12. August mitgeteilt, ein Angreifer habe sich Ende Juni unter falscher Identität Zugang zu ihrem Informationssystem verschafft. Im Zuge einer Kontrolle sei dieser Zugang gesperrt worden. Erst vertiefte Untersuchungen hätten anschließend ergeben, dass tatsächlich Daten abgerufen und aus dem System exportiert worden waren.

Betroffen sind steuerliche Angaben wie Referenzsteuereinkommen, Familienquotient und der Satz für Einkommensteuer-Vorauszahlungen. Bei Unternehmen zählen Firmenname und SIREN-Identifikationsnummer zu den abgefragten Informationen. Auch Katasterdaten zu Anschriften und Flächen von Immobilien wurden eingesehen. Die Behörde hat die nationale Datenschutzkommission CNIL eingeschaltet und will die Betroffenen unmittelbar benachrichtigen.

Mit der Krisenzelle zieht die Regierung die Aufarbeitung an sich. Ein solcher interministerieller Rahmen soll Erkenntnisse, technische Gegenmaßnahmen und die Kommunikation mehrerer Ressorts bündeln. An der Untersuchung sind neben den zuständigen Diensten des Finanzministeriums der leitende Beamte für Verteidigung und Sicherheit sowie die nationale Cybersicherheitsagentur ANSSI beteiligt.

Der Vorfall erhöht den Druck auf die Regierung, nachdem Frankreich 2026 bereits mehrere gravierende Sicherheitsprobleme in staatlichen Digitalsystemen verzeichnet hat. Im Februar hatte die DGFiP unrechtmäßige Zugriffe auf das nationale Kontenregister FICOBA bekannt gemacht. Damals waren nach Behördenangaben Informationen zu rund 1,2 Millionen Bankkonten eingesehen worden, darunter Kontoverbindungen, Namen und Anschriften der Inhaber.

Der aktuelle Angriff unterscheidet sich vom FICOBA-Fall durch die Art der erfassten Informationen und die nachträglich festgestellte Ausleitung aus dem allgemeinen System der Steuerverwaltung. Für Betroffene wächst vor allem das Risiko maßgeschneiderter Betrugsversuche. Kenntnisse über Steuerverhältnisse, Immobilien oder Unternehmensdaten können gefälschte E-Mails, SMS und Anrufe glaubwürdig erscheinen lassen. Zugangsdaten zu persönlichen Steuerkonten sollen nach bisherigem Stand nicht betroffen sein. Dennoch sollten Empfänger vermeintlicher Behördennachrichten Links und Zahlungsaufforderungen sorgfältig prüfen und im Zweifel ausschließlich die offiziellen Kontaktwege der Finanzverwaltung nutzen.

Lecornus Auftrag reicht über die forensische Rekonstruktion des Angriffs hinaus. Geprüft werden sollen Zugriffsrechte, Verfahren zur Identitätskontrolle und die Erkennung ungewöhnlicher Datenabfragen. Die Regierung hatte im Frühjahr angekündigt, ab 2027 fünf Prozent der Digitalbudgets jedes Ministeriums für Cybersicherheit vorzusehen. Die Untersuchung bei der DGFiP dürfte nun offenlegen, an welchen Stellen die Schutzmechanismen der Steuerverwaltung versagt haben.

Quellen

  • Franceinfo
  • Direction générale des Finances publiques
  • Ministerium für Wirtschaft und Finanzen
  • Secrétariat général de la défense et de la sécurité nationale
  • Regierungsportal Frankreichs

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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