Paris – 20.08.2026: Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu hat als Reaktion auf eine Serie von Cyberangriffen gegen staatliche Einrichtungen die Bildung einer neuen Notfalleinheit angeordnet. In einem Schreiben vom Mittwoch, 19. August, an Nicolas Roche, den Generalsekretär für Verteidigung und nationale Sicherheit, setzte Lecornu dafür eine Frist von drei Tagen. Den unmittelbaren Anlass liefert ein weitreichender Datendiebstahl bei der französischen Steuerverwaltung.
Das neue Team soll aus Fachleuten der Nationalen Agentur für die Sicherheit der Informationssysteme (ANSSI) bestehen. Je nach Lage können Spezialisten des Innen- und des Verteidigungsministeriums hinzukommen. Vorgesehen ist eine mobile Einheit, die bei einem begründeten Verdacht auf einen schweren Angriff gegen staatliche Informationssysteme unverzüglich vor Ort tätig wird. Sie soll technische Abwehrmaßnahmen unterstützen, die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen beschleunigen und die Krisenreaktion koordinieren.
Der Auftrag beginnt bereits bei der Kompromittierung besonders sensibler Zugangsrechte. Während eines Angriffs soll die Einheit die betroffene Behörde begleiten; nach Abschluss des Einsatzes muss sie den Vorfall auswerten. Damit reagiert die Regierung auf Defizite, die Lecornu selbst in den Ministerien ausgemacht hat. Nach seiner Einschätzung verfügt nur ein kleiner Teil der Ressorts über das erforderliche Schutzniveau. Die Anordnung macht Cybersicherheit damit ausdrücklich zu einer ressortübergreifenden Aufgabe der Regierung.
Hintergrund ist ein Angriff auf Systeme der Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP). Nach Angaben der Steuerverwaltung wurden Daten zu rund 678.000 Privatpersonen und Unternehmen eingesehen und entwendet. Der Vorfall betrifft sensible steuerliche Angaben. Dazu können das steuerliche Referenzeinkommen, der Familienquotient und der jeweilige Steuersatz gehören. Solche Informationen erlauben zwar nicht zwangsläufig einen unmittelbaren Zugriff auf Konten oder Steuerportale, können jedoch für gezielte Betrugsversuche und glaubwürdig wirkende Phishing-Nachrichten missbraucht werden.
Die Notfalleinheit ersetzt dabei nicht die Verantwortung der einzelnen Ministerien für ihre IT-Sicherheit. Sie soll vielmehr eingreifen, wenn ein Vorfall die vorhandenen Kapazitäten überfordert oder wegen seiner Tragweite eine zentrale Reaktion verlangt. ANSSI verfügt bereits über Fachwissen zur Analyse und Eindämmung schwerer Cyberangriffe; neu ist vor allem die organisatorische Bündelung in einem kurzfristig abrufbaren Einsatzteam.
Für Betroffene des Datendiebstahls wächst unterdessen das Risiko, mit täuschend echt formulierten Nachrichten konfrontiert zu werden. Besondere Vorsicht ist bei Aufforderungen geboten, Zugangsdaten preiszugeben, Zahlungen zu leisten oder Links zu angeblichen Steuerbescheiden zu öffnen. Die DGFiP bleibt für die Information der Betroffenen und die Aufarbeitung des Angriffs zuständig. Lecornus Anordnung soll nun die staatliche Reaktion auf vergleichbare Vorfälle vereinheitlichen und verkürzen.
Quellen
- Franceinfo
- Direction générale des finances publiques
- AFP via Boursorama
- Clubic
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).