Paris – 01.10.2026: Die fünf Bewerber für die linke Vorwahl zur französischen Präsidentschaftswahl 2027 haben am Donnerstagabend auf France 2 und France Inter über mögliche Bündnisse, den Gazakrieg und ihre wirtschaftspolitischen Konzepte gestritten. Olivier Faure, Raphaël Glucksmann, Ségolène Royal, Jérôme Guedj und Emmanuel Maurel standen sich in einer von Caroline Roux und Benjamin Duhamel moderierten Debatte gegenüber.
Die schärfste innenpolitische Auseinandersetzung entzündete sich erneut am Verhältnis zu La France insoumise und deren führender Figur Jean-Luc Mélenchon. Glucksmann erklärte, zwischen seiner politischen Linie und jener der Partei bestünden unvereinbare Grundsätze. Guedj bekräftigte seine Ablehnung eines Bündnisses mit Mélenchon. Faure wandte ein, die Vorwahl dürfe nicht fortwährend von der Debatte über einen Politiker bestimmt werden, der selbst nicht daran teilnehme. Royal warb dagegen für eine möglichst breite Sammlung der Linken.
Hinter dem Streit steht eine strategische Grundfrage: Ohne Absprachen droht der französischen Linken bei Wahlen eine weitere Zersplitterung. Eine Zusammenarbeit mit La France insoumise ist jedoch wegen außenpolitischer, institutioneller und persönlicher Konflikte umstritten. Maurel warnte davor, mögliche Bündnisse für die Zeit nach der Präsidentschaftswahl schon jetzt überzubewerten. Sollte die extreme Rechte die Wahl gewinnen, hielt er allerdings eine parlamentarische Allianz über das linke Lager hinaus für notwendig.
Auch die Bezeichnung der Lage im Gazastreifen führte zu einer offenen Konfrontation. Faure sprach von Völkermord und begründete dies mit der politischen Pflicht, Gefahren frühzeitig zu benennen. Guedj warf ihm vor, eine problematische Begrifflichkeit zu übernehmen. Glucksmann verwies auf den Internationalen Strafgerichtshof und dessen Ermittlungen zu mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Wortstreit machte sichtbar, wie weit die Kandidaten bei der politischen und völkerrechtlichen Bewertung des Krieges auseinanderliegen.
In der Wirtschaftspolitik schlug Glucksmann eine Senkung der allgemeinen Sozialabgabe vor, um den Abstand zwischen Brutto- und Nettolohn zu verringern. Finanzieren will er dies durch eine stärkere Besteuerung von Erbschaften oberhalb von zwei Millionen Euro. Faure kritisierte, damit werde die Verantwortung der Arbeitgeber für höhere Löhne auf den Staatshaushalt verlagert. Royal nannte den Ansatz riskant. Maurel forderte eine Anhebung des Mindestlohns, die Bindung der Löhne an die Inflation und höhere Bezüge im öffentlichen Dienst.
Zur Ukraine verteidigten Faure, Guedj und Maurel die weitere Unterstützung Kiews. Verhandlungen dürften nicht auf eine Kapitulation hinauslaufen und müssten mit der Ukraine abgestimmt werden. Faure wies zudem Royals früheren Vorschlag für eine Blauhelmmission an der russisch-ukrainischen Grenze zurück und verwies auf Russlands Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die erste Wahlrunde findet am 9. und 10. Oktober statt, eine Stichwahl am 16. und 17. Oktober.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Public Sénat
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).