Kultur

Louis Garrel fordert mehr Sichtbarkeit für Regisseurinnen

Bei der Mostra von Venedig kritisiert Louis Garrel die geringe Präsenz von Regisseurinnen im Hauptwettbewerb. Der französische Schauspieler verweist auf prägende Filmemacherinnen seiner Generation.

Venedig – 06.09.2026: Louis Garrel hat bei der 83. Mostra von Venedig mehr Sichtbarkeit für Regisseurinnen gefordert. Der 43 Jahre alte französische Schauspieler sprach am Sonntag über die auffallend geringe Zahl von Filmen unter weiblicher Regie im Hauptwettbewerb. Der Blick auf diese Arbeiten müsse sich ändern, sagte Garrel am Lido, wo er einen neuen Film von Nanni Moretti vorstellte.

Garrel spielt in Morettis Wettbewerbsbeitrag einen Vater, der Jahre nach einer leidenschaftlichen Beziehung jener Frau wiederbegegnet, die ihn nie losgelassen hat. Gemeinsam mit der italienischen Schauspielerin Jasmine Trinca präsentierte er den Film am 5. September in Venedig. Morettis Werk konkurriert um den Goldenen Löwen.

Die geringe Präsenz von Regisseurinnen begleitet das Festival seit der Bekanntgabe seines Programms. Internationale Medien verwiesen früh auf das Missverhältnis im Hauptwettbewerb. Auch Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal sprach zur Eröffnung von einem strukturellen Problem für Frauen, die ihre Geschichten auf die Leinwand bringen wollen.

Garrel wandte sich gegen die Vorstellung, weibliche Regie sei ein Sonderfall. In Frankreich sei die Lage aus seiner Sicht zumindest für seine Generation weniger zugespitzt. Viele der interessantesten Filmschaffenden seien Frauen. Als Beispiele nannte er Justine Triet, Rebecca Zlotowski, Valérie Donzelli und Maïwenn, deren Arbeiten das französische Gegenwartskino geprägt haben.

Die vier Regisseurinnen stehen für sehr unterschiedliche Handschriften. Triet verbindet genaue Gesellschaftsbeobachtung mit erzählerischer Unruhe und gewann 2023 für "Anatomie eines Falls" die Goldene Palme in Cannes. Zlotowski beschäftigt sich häufig mit Herkunft, Begehren und sozialer Rolle. Donzelli überführt private Erfahrungen in ein zugleich leichtes und schmerzhaftes Kino. Maïwenn wiederum widmet sich als Regisseurin und Darstellerin immer wieder konfliktreichen Milieus.

Garrels Äußerung geht damit über eine Höflichkeitsgeste auf dem roten Teppich hinaus. Sie richtet sich gegen Auswahlmechanismen, die darüber entscheiden, welche Filme international wahrgenommen werden. Festivals bestimmen zwar nicht allein über die Produktion eines Landes. Ihre Wettbewerbe beeinflussen jedoch, welche ästhetischen Positionen Aufmerksamkeit erhalten, Verleiher interessieren und weitere Finanzierungschancen eröffnen. Sind Regisseurinnen im prominentesten Programmteil kaum vertreten, hat dies deshalb Folgen weit über den Festivalbetrieb hinaus.

Die Mostra läuft bis zum 12. September. Der Goldene Löwe gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen des europäischen Kinos. Über seine Vergabe entscheidet die von Gyllenhaal geleitete Jury; Morettis neuer Film ist einer der Beiträge im Rennen um den Hauptpreis.

Quellen

  • Franceinfo
  • Agence France-Presse
  • Le Monde
  • Associated Press
  • Screen Daily

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).